Klaus Regling: „Uns bleibt eine Menge Cash“

Klaus Regling
„Uns bleibt eine Menge Cash“

Der Euro-Rettungsschirm hat gerade erst die Topnote Triple A bekommen und kann jetzt aktiv werden. Doch so weit soll es nicht kommen, beteuert dessen Chef Klaus Regling. Im Interview erläutert er, was passiert, wenn schuldengeplagte Länder in Bedrängnis geraten sollten.
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Handelsblatt: Herr Regling, die Ratingagenturen haben die European Financial Stability Facility (EFSF) mit der Bestnote geadelt, obwohl nur noch sechs von 16 Euro-Staaten über ein Triple A verfügen. Wie haben Sie das gemacht?

Klaus Regling: Die sechs Euro-Staaten mit Topnote repräsentieren immerhin 60 Prozent der Wirtschaftskraft der Euro-Zone. Die restlichen 40 Prozent decken wir mit einer Liquiditätsreserve ab.

HB: Wie funktioniert das?

Regling: Wir bilden eine Cash-Reserve. Sie speist sich aus der Marge zwischen dem Zinssatz, zu dem wir Geld aufnehmen, und dem Zinssatz, zu dem wir Geld an ein Land verleihen. Im Falle Griechenlands beträgt sie 300 Basispunkte, daran werden wir uns in etwa orientieren.

HB: Das Geld behalten Sie als zusätzliche Absicherung gegen Kreditausfall ein?

Regling: Ja. Wenn wir das griechische Beispiel noch einmal nehmen, hätten wir bei einer fünfjährigen Laufzeit 15 Prozent des jeweiligen Kredits, der im EFSF verbleibt. Das ist eine ganze Menge Cash - eine zusätzliche Sicherheit für die Käufer unserer Anleihen.

HB: Damit reicht es aber immer noch nicht für Triple A.

Regling: Deshalb gibt es zusätzlich einen Kreditpuffer. Der wird so konzipiert, dass die jeweils benötigte Kreditsumme mit der Bestnote abgesichert werden kann.

HB: Was geschieht, wenn ein Euro-Staat seine Topnote verliert?

Regling: Das kann man nicht ausschließen. In dem Fall müssten wir zusätzliche Garantien schaffen, um die Kreditwürdigkeit des ganzen Systems zu erhöhen.

HB: Und was tun Sie, wenn nach Griechenland ein weiterer Euro-Staat als Bürge ausfällt, weil er selbst Kredite benötigt? Müssen die anderen Staaten dann automatisch höhere Garantien abgeben?

Regling: Ja, aber nur bis zu einer Obergrenze von 120 Prozent des Anteils, den der jeweilige Staat an der EFSF hält.

HB: Muss Deutschland als solventester aller Euro-Staaten dann mehr zahlen?

Regling: Nein, die Haftungshöchstgrenze ist sowohl auf europäischer als auch auf deutscher Ebene vertraglich und gesetzlich festgeschrieben worden.

HB: Irland und Portugal sind an den Märkten weiterhin massiv unter Druck. Müssen Sie bald helfen?

Regling: Ich rechne nicht damit, dass der Ernstfall eintritt und wir Kredite aufnehmen und weitergeben müssen.

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  • "Der Euro-Rettungsschirm hat gerade erst die Topnote Triple A bekommen..."

    Na wunderbar! Ein Glanzrating! Hatten nicht die Lehman-brüder am Tag vor der Pleite auch den AAA-bonus? Dabei wars nur A-A, das übrig blieb.

    Ratings sind bloß eine AbM für Studienabbrecher der Wirtschaftsfakultäten, die sonst am Markt keinen Job abkriegen.

  • "beruhigung der Märkte" -
    ja das war echt `n Ding, ich konnte es gar nicht glauben.... aber es passierte.

    Mein Fehler - ein Milliardenheer von Fliegen hält auch Kuhkacke für eine ideale Umgebung, um seine Kinder groß zu ziehen, die werden schon recht haben...

    beruhigung - da muß ich immer an Drogen denken und Tablettenabhängigkeit - oder die zwei bierchen am Abend...

    bei so was muß ich immer an den Morgen danach denken, wenn man nicht aus dem Knick kommt und einen richtig dicken Kopf hat...

    Na, ich werd mir mal Aspirin holen - soll ich ihnen welche mitbringen? ich glaube, Sie können die bald gebrauchen?

  • Das nervt ja langsam...
    mittlerweile glaube ich, das Spielchen treiben die mit uns noch ein paar Jahre.
    Es wird etwas "Neues" erfunden, das eigentlich neue ist aber höchstens der Name mit seinen Unternamen.
    Fakt ist, viele EU-Länder sind ÜbERschuldet und kriegen es nicht hin, die Schulden zu verringern, es werden immer mehr. Was sie hinbekommen, wenn es eng wird, ist das biP zu verringern, wie Griechenland zur Zeit. Das verschlechtert freilich die Ratio Verschuldung/biP von derzeit 124% auf, na? 220%? (Zur Erinnerung: im EU-Vertrag steht als Obergrenze 60%.) Wie wird es im nächsten Frühjahr mit der griechischen Kreditwürdigkeit stehen, wenn das biP 2010 offenbar wird? Herr Regling, ich kann mir nicht vorstellen, daß sie so tumb wären, das nicht zu wissen? Dafür weichen Sie zu geschickt den Fragen aus...

    Lösung - also?
    Ach - na klar, ich weiß: neuer Name!
    Das heißt dann "investivstau" und sein - hmmm - reziproker Wert wird dann als - hmmm - "Produktivitätsgewinnzone" beschrieben und - hmmmm - als beweis für die anlaufende Wirtschaft ist das doch dann . also... perfekt bis zum nächsten Namenstag...

    Wer hat sich denn heute eigentlich um die irland-Papiere gerissen? 3 Möglichkeiten
    1. Spekulanten (waren das nicht im Mai noch die "bösen buben"?)
    2. Vollidioten
    3. die EZb?
    ich meine: als band-bank der Eurostaaten könnte man doch auch die die EZb neue Namen finden?

    @ Sven: Vermögensübertragung - öööhhhh . . . welches REELLE Vermögen kann man denn da übertragen? Gibt`s da etwas von dem wir nichts wissen?
    Oder handelt es sich um eine imaginäre - sagen wir eine Rechte - Übertragung, jemand anders bekommt das Recht, so zu tun, als hätte er jetzt mehr Geld (und Schulden!) so eine Art Lizenz zum Vera...... ?

    Mein Lösungsvorschlag wäre: liebe Politiker, ihr alle landet NiCHT im Geschichtsbuch. Nur wenige schaffen das, die Looser oder die, die nämlich echt einen H. in der Hose haben. KArten auf den Tisch. Der bürger muß es bezahlen, er hat es ja auch irgendwo verpraßt, der eine mehr, der andere weniger. Fangen wir doch lieber heute als morgen mit dem Haushalten an, als wäre es Muttis Küchenkasse. Was nicht da ist, wird nicht ausgegeben und die Kredite werden nicht verlängert, sondern AbbEZAHLT. Schluß mit dem Geheule. ich fühle mich verschaukelt, liebe Leute!

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