Klima-Konsens
Wirtschaft fürchtet Folgen des Gipfel-Debakels

Das magere Ergebnis des Klimagipfels von Kopenhagen ohne konkrete Vereinbarungen hat eine Debatte über die künftige Strategie der EU entfacht. Die deutsche Wirtschaft forderte einen Verzicht auf einseitige Vorleistungen Europas. Dies hätte unweigerlich die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Länder mit geringeren Klimaschutzzielen zur Folge, warnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der schon jetzt als Folge des Minimal-Kompromisses durch den hierzulande verordneten Klimaschutz Wettbewerbsnachteile fürchtet.
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HB KOPENHAGEN/BERLIN. Mit deutlicher Kritik hat die deutsche Wirtschaft auf das Scheitern der Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen reagiert. „Das Ziel fairer Wettbewerbsbedingungen im Klimaschutz ist in weite Ferne gerückt“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Vertreter exportorientierter Branchen warnten, die fehlende rechtliche Bindung der Vereinbarung schmälere die Chancen der deutschen Industrie. „Es liegt auf der Hand, dass das Ergebnis von Kopenhagen für den Klimaschutz und für die Industrie zu wenig ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse. Der Wirtschaftsrat der CDU sprach von einem „Fehlschlag“.

Der Gipfel hatte nur eine vage Vereinbarung getroffen. Zwar wird das Ziel genannt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Aber es gibt keine Festlegung, wie dies geschehen soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte dennoch davor, den Gipfel schlecht zu reden. Sie verteidigte den Kompromiss als zumindest ersten Schritt.

Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich die mehr als hundert Staats- und Regierungschefs in der dänischen Hauptstadt lediglich auf einen Kompromiss geeinigt, der sie nicht zum Handeln zwingt. Demnach nehmen die Staaten lediglich "zur Kenntnis", dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt bleiben sollte. Sie vereinbarten keine verbindlichen kontrollierbaren Ziele zur Schadstoffreduzierung. Mehrere Entwicklungsländer stimmten dem Kompromiss deshalb gar nicht zu. Vor allem China als einer der größten Produzenten von Treibhausgasen lehnte weitgehende Verpflichtungen ab.

Der Minimal-Kompromiss stellt zudem Milliardenhilfen für die ärmsten Länder in Aussicht. Den Klimaberichten der UN zufolge muss die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden, um den Klimawandel mit Stürmen, Dürren und Fluten noch beherrschbar zu halten. Dafür müsste der Kohlendioxid-Ausstoß weltweit spätestens ab 2020 sinken. Daher hatte die EU eine Kürzung der Treibhausgase der Industrienationen von 25 Prozent gegenüber 1990 vorgeschlagen. Die EU bot zwischenzeitlich selbst 30 Prozent an und Deutschland allein 40 Prozent.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürchtet nun Wettbewerbsnachteile. "Für unsere Unternehmen heißt das, dass die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen in weite Ferne gerückt ist", sagte Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Die Gefahr von Arbeitsplatz-Verlagerungen in Länder mit geringeren Klimaschutzauflagen bleibe akut. Die Vereinbarung sei eine schlechte Basis für weltweite Investitionen in klimafreundliche Technologien.

Eine Anhebung des EU-Ziels auf 30 Prozent dürfe es nun nicht geben, forderte der BDI. "Das würde die einseitige Belastung der Industrie in Europa weiter verschärfen und für das Weltklima nichts bringen", sagte Schnappauf. Auch der Verband der Chemischen Industrie und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau warnten vor einseitigen Verschärfungen.

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  • wenn die industrie fordert, dass man lieber nichts machen soll sonst werden Arbeitsplätze verlagert ist doch wieder tyisch. Hauptsache die hohen Gewinne bleiben erhalten und mann kann sich die Taschen füllen. Haben diese Menschen keine Kinder, die irgenwann auf dieser Erde leben wollen. Die Menschen sollten Produkte die Umweltschädlich und Menschenverachtend hergestellt werden nicht mehr kaufen. Dann machen auch Chinese, inder und Amerikaner mit

  • Wenn jeder Europäer,Amerikaner, Australier und Kanadier nur 5 Euro pro Monat in einer Umweltkasse einzahlen würde, ja dann wäre genug Geld vorhanden um der dritten Welt zu helfen. Wenn die industrie
    ebenfalls einen Solitär bezahlt,hätte man zumindest
    eine stattliche Summe zusammen. Wenn Weltweit die Rüstungsausgaben um 10% gekürzt wird und das Geld
    für den Klimaschutz eingesetzt wird, dann könnte es vorrangehen. Aber mal ehrlich, wer will in Wirklichkeit das Klima retten, dass ganze ist doch nur eine Show und ob es wirklich eine Klimawandlung
    gibt, wird auch noch von vielen bestritten.Selbst
    der westliche bürger wird die Welt weder mit bioprodukten noch mit Energiesparlampen retten,wenn
    er anschliessend in den Urlaub in die Karibik fliegt und zwei Autos in der Garage hat.

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