Klimagipfel
Ausgerechnet Japan blockiert

Vor 13 Jahren feierte das Land der aufgehenden Sonne den Erfolg der Klimaverhandlungen im eigenen Land. Und nun will gerade Japan bei einer Fortschreibung in Cancún nicht mehr mitmachen. Warum einige Beobachter an Taktik glauben.
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HB CANCUN. Die Verhandlungen auf dem UN-Klimagipfel in Cancún stecken in einer Sackgasse. Japan droht mit einer Blockade eines neuen verpflichtenden Klimaabkommens, wenn es nicht China und andere große Verursacher von Treibhausgasen einbezieht, betonte Japans Umweltminister Ryu Matsumoto am Donnerstag beim UN-Klimagipfel im mexikanischen Cancún. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sprach von einer Position, die nicht weiterführe.

„Je weniger wir hier in Cancún aufs Papier bringen, desto dicker wird der Rucksack für Durban“, betonte Röttgen mit Blick auf die UN-Klimakonferenz 2011 in Südafrika, wo ein neues, verbindliches Klimaschutzabkommen, das die diversen Einzelabkommen berücksichtigt, zustande kommen soll. Es dürfe nicht die Strategie von Cancún sein, möglichst viele Entscheidungen auf Durban zu verschieben, so Röttgen.

Der Gipfel soll in der Nacht zu Samstag deutscher Zeit enden. Bei der Konferenz würden nicht täglich Punkte abgehakt, sondern alles sei im Fluss und hänge miteinander zusammen, sagte der CDU-Vize. Abkommen zum Erhalt der Wälder und ein „grüner Fonds“, um Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, könnten wohl erst verabschiedet werden, wenn man bei der Überwachung und Messung der Reduktion von Treibhausgasen zu einer Entscheidung komme.

Boliviens Präsident Evo Morales forderte ein Tribunal der Vereinten Nationen für „Klima-Gerechtigkeit“. Dieses UN-Gericht solle überwachen, wer klimaschädlich agiere, wer vom Klimawandel besonders betroffen ist und ob Klimavereinbarungen eingehalten werden, sagte Morales im Plenum zu den Delegierten.

Der erste indigene Präsident des Andenstaates übte harte Kritik am bisherigen Verhandlungsverlauf in Cancún. „Was hier bisher vor allem stattgefunden hat, ist eine Analyse dessen, was letztes Jahr in Kopenhagen passiert ist.“ Während man Papiere austausche und weiter diskutiere, erwärme sich die Erde immer weiter.

Ob Japans Blockade-Position Taktik ist, um ein maximales Ergebnis zu erreichen, war zunächst unklar. Das Kyotoprotokoll berücksichtige nur 27 Prozent aller energiebedingten Treibhausgase, betonte Japans Umweltminister Matsumoto vor dem Plenum. Auch Röttgen sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, dass das Kyotoprotokoll das entscheidende Instrument sei, um dem Klimawandel zu begegnen.

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  • Die Rädchen Umweltschutz, Artenschutz und Klimaschutz etc. drehen sich weltweit immer langsamer und werden zum Stillstand kommen!
    Warum?
    Ganz Einfach!
    Dieser ganze Schutz kostet erst einmal Geld, unabhängig davon, daß es später ohne Hilfe um ein vielfaches teurer wird.
    Weil unsere Politiker mit der bankenrettung, Haushaltslöchern etc. voll beschäftigt sind. Wenn dann die dadurch steuerpolitisch geschundenen Völker nach Luft schnappen, wird für solchen Pekelek kein Geld mehr da sein.
    So werden die Prioritäten gesetzt werden:

    Nach uns die Sintflut!

    Schönen Tag noch

  • DAS SCHÖNE:
    SO FALLEN SiE iN iHREN HEiMATLÄNDERN MiT iHREM GESCHWAFEL NiCHT ZUR LAST !
    MEiN ZURUF: bLEibT NOCH EiN biSSCHEN !
    Habe schon mal aus Protest zu dieser Lachnummer eine CO2-Kapsel aus meinem Sprudelwassersiphon im Garten vergraben. Könnten in Cancun ein Gleiches tun.

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