Klimagipfel

Die Hoffnungen ruhen auf den USA

Zur Schlussrunde des Klimagipfels reisen mehr als 100 Regierungschefs an, auch US-Präsident Obama. Die Entwicklungsländer erhielten das erste Angebot der USA von Außenministerin Hillary Clinton. Dabei sah es am Donnerstag vorübergehend so aus, als hätte die dänische Verhandlungsführung den Gipfel bereits aufgegeben. Doch Kanzlerin Merkel zeigte sich zuversichtlich.
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HB KOPENHAGEN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält einen Erfolg beim UN-Klimagipfel trotz der verfahrenen Situation noch für möglich. „Wir müssen heute Nacht noch sehr viel arbeiten“, sagte Merkel am Donnerstag der ARD in Kopenhagen. „Ich bin nicht ohne jede Hoffnung, aber es ist sehr, sehr schwierig, sehr zäh.“ Die Nacht zu diesem Freitag werde entscheidend sein. Die Verhandlungen mit so vielen Ländern seien extrem kompliziert. Niemand dürfe vergessen werden. „Ich glaube, dass wir es schaffen können“, sagte Merkel.

Von den Delegierten der Weltklimakonferenz forderte sie größere Kompromissbereitschaft. Deutschland und die EU seien bereit, offen in die Schlussphase der Verhandlungen zu gehen. Die Staatengemeinschaft müsse so weit mit einer politischen Vereinbarung zum Klimaschutz vorankommen, dass man der Öffentlichkeit gegenübertreten könne, so Merkel. Alle juristischen Details werde man freilich nicht ausarbeiten können.

Die Kanzlerin bekräftigte die Hauptziele des neuen Klimaschutzabkommens aus deutscher Sicht: Der Anstieg der Temperatur soll auf höchstens zwei Grad im Vergleich zu vorindustrieller Zeit begrenzt werden. Dafür sollen Klimagasemissionen weltweit bis 2050 um die Hälfte unter den Wert von 1990 gebracht werden. Merkel betonte, dass die EU schon bis 2020 zu einer Senkung bis zu 30 Prozent bereit sei, falls andere Nationen Zusagen in ähnlicher Größenordnung machten.

Gemeinsam mit zahlreichen anderen Regierungschefs greift Merkel ab Freitag aktiv in die Schlussphase der Verhandlungen in Kopenhagen ein. Bis zum Freitagabend sollen die Grundzüge eines neuen Klimaabkommens stehen. Am Donnerstag sah es jedoch vorübergehend so aus, als hätte die dänische Verhandlungsführung den Gipfel bereits aufgegeben. Erst nachdem US-Außenministerin Hilary Clinton erstmals konkrete Hilfen für die Entwicklungsländer in Aussicht gestellt hatte, kam wieder Bewegung in die Gespräche. Zuvor war lange über Verfahrensfragen gestritten worden. Clinton sagte, die USA seien bereit, bis 2020 bis zu 100 Mrd. Dollar für die Entwicklungsländer zu zahlen. Klimaschutz-Organisationen sprachen von einem Durchbruch, der dabei helfen könne, den Gipfel zu retten. US-Präsident Barack Obama will am letzten Tag des Gipfels mit in die Verhandlungen einsteigen.

Auch China, vor den USA der weltgrößte Produzent von Treibhausgasen, betonte das Interesse an einem Erfolg der Konferenz. "Kopenhagen ist zu wichtig, um zu scheitern", sagte Unterhändler Ju Qingtai.

Beobachter bewerteten diese Aussage allerdings zurückhaltend. Die Chinesen galten auf dem Kopenhagener Gipfel bislang als Bremser. China war in den vergangenen Tagen immer wieder als Sprachrohr der in der Gruppe der 77 (G 77) lose zusammengeschlossenen Entwicklungs- und Schwellenländer aufgetreten.

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