Klimagipfel
„Mini-Gipfel“ sucht nach Kompromissen in letzter Minute

Nach einem improvisierten „Mini-Gipfel“ in der vergangenen Nacht hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit anderen Staats- und Regierungschefs die Verhandlungen zur Rettung des Uno-Klimagipfels wieder aufgenommen. Doch kurz vor der Ankunft von US-Präsident Barack Obama steckt die Kopenhagen-Konferenz noch immer in der Krise.
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KOPENHAGEN. Die Wiederaufnahme der Gespräche verlautete aus Delegationskreisen am Freitagmorgen in Kopenhagen. Sie sollen eine politische Erklärung für die Plenums-Verhandlungen der mehr als 190 Staaten des Weltklimagipfels erarbeiten. „Wir brauchen die Zustimmung jeder einzelnen Delegation“, betonte Japans Premierminister Yukio Hatoyama. Der schwedische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt meinte am Freitagmorgen im Fernsehsender SVT: „Die Lage ist sehr ernst“. Es gebe eine Gruppe beim Gipfel, die sich „nicht konstruktiv“ verhalte und verwies auf Schwellenländer wie China und Indien.

Reinfeldt warf den USA vor „nicht genug getan zu haben“. Obama will am Vormittag zu den Delegierten aus 192 Staaten sprechen und danach mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao über die tiefen Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Peking beim Klimaschutz sprechen. In der Nacht hatte ein improvosierter „Mini-Gipfel“ mit fast 30 Ländern versucht, in letzter Minute Kompromissmöglichkeiten zu finden. Wie dänische Medien berichteten, soll dabei eine Einigung auf Klimahilfen für Entwicklungsländer über 100 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 69 Milliarden Euro, jährlich ab 2020 angestrebt werden.

Unterhändler einer Kerngruppe von gut zwei Dutzend Staaten und Regionen hatten nach einem Gala-Essen bei Königin Margrethe II. bis in die frühen Morgenstunden versucht, die wichtigsten Streitfragen zu klären. Für Deutschland saß Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Tisch. Damit war wieder Bewegung in die festgefahrenen Gespräche gekommen. An diesem Freitag geht der Gipfel im Beisein von US-Präsident Obama in die Schlussphase.

Nach dem Mini-Gipfel meinte der schwedische Ministerpräsident und amtierende EU- Ratspräsident Fredrik Reinfeldt: „Es war sehr konstruktiv, wir haben uns auf die wichtigsten Punkte konzentriert.“ Auch Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen äußerte sich optimistisch: „Ich hatte das Gefühl, die Beteiligten hier wollen wirklich eine Einigung.“

Zu den Teilnehmerländern gehörten neben Deutschland und anderen maßgeblichen EU-Ländern auch Südafrika, Japan, Australien, und für die vom Klimawandel besonders hart betroffenen Länder Bangladesch und der Inselstaat Malediven. Die USA waren durch Außenministerin Hillary Clinton vertreten, während sich gleichzeitig Präsident Barack Obama in seiner „Air Force One“ auf den Weg über den Atlantik Richtung Dänemark machte. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nahmen am nächtlichen Kopenhagener Mini-Gipfel teil.

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