Klimagipfel
Planlos in Durban

Der Klimagipfel in Durban droht zu scheitern. Viele Delegierte sind bereits abgereist. Es bleibt kaum Zeit, um einen Kompromiss auszuhandeln. Längst ist diplomatische Zurückhaltung deutlichen Worten gewichen.
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DurbanAls sich das Gerücht verbreitet, das Internationale Kongresszentrum in Durban sei nur bis 18 Uhr am Samstag für die UN-Klimakonferenz angemietet und müsse danach geräumt werden, macht sich auf den Fluren und in den Besprechungsräumen eine gewisse Erleichterung breit: Möglicherweise, so die Hoffnung vieler Beobachter, erhöht das Zeitlimit den Druck auf die Vertreter von 194 Staaten, eine Entscheidung zu treffen.

Endlos zieht sich die Endphase des Gipfels jetzt hin. Am Freitag, dem planmäßig letzten Tag der auf vierzehn Tage angesetzten Konferenz, beginnt das abendliche Plenum um kurz nach 20 Uhr - und endet jäh nach einer guten Stunde, in der es ausschließlich um Regularien geht. Die Konferenzleitung vertagt die Fortsetzung auf unbestimmte Zeit. Später am Abend flimmert dann die Nachricht über die Bildschirme des Konferenzzentrums, am Freitag trete das Plenum nicht mehr zusammen. Das Gerücht, das Plenum werde sich am Samstag um acht Uhr morgens versammeln, erweist sich später als falsch. Bis zum Nachmittag wird ausschließlich hinter verschlossenen Türen verhandelt, einen neuen Termin für die abschließende Plenarsitzung gibt es nicht.

Nun steht die nächste Nachtsitzung an. Aus der deutschen Delegation hieß es am späten Samstagnachmittag, man richte sich auf eine weitere lange Nacht ein. Schon jetzt ist damit klar, dass der Gipfel in Durban der längste der bisher 17 Weltklimagipfel wird. Noch am Mittag hatte es so ausgesehen, als würde man im Laufe des Tages zu einer Lösung kommen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der nach ursprünglicher Planung am Samstag Abend den Rückflug nach Deutschland antreten wollte, hat die Rückreise nach Angaben aus Delegatioskreisen um 24 Stunden verschoben. Ob man zu einer Einigung komme, sei noch immer offen, sagte Röttgen am späten Samstagnachmittag. Zwar habe es bei einigen technischen Themen Fortschritte gegeben. Die großen Fragen seien aber noch immer ungeklärt, ein Scheitern daher nicht ausgeschlossen, sagte Röttgen.

Hinter dem Vertagen und Verschieben verbergen sich die massiven Probleme, einen Kompromiss zu finden. Längst ist diplomatische Zurückhaltung deutlichen Worten gewichen. EU-Klimakommissarin beklagt sich über die Blockadehaltung Chinas und Indiens und droht unverhohlen damit, die Verhandlungen platzen zu lassen. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die Samthandschuhe abgelegt. Der Minister ist mit der Aussage in die Endphase der Verhandlungen gegangen, er stehe für einen faulen Kompromiss nicht zu Verfügung.

Von Klimaschutzorganisationen erhält er dafür gute Noten. Eine harte Haltung sei angebracht, sagen sie. Der Chef einer großen Umweltschutzorganisation sagt, er habe Röttgen bereits zugesagt, der Minister genieße auch dann seine volle Unterstützung, wenn er die Verhandlungen platzen lasse.

Die Umwelt- und Klimaschützer stellen mit rund 6.000 Leuten nach den Delegierten der Staaten das zweitgrößte Kontingent der Konferenz, weit vor den 1500 Journalisten. Ihre Organisationen - Greenpeace, WWF und die vielen anderen - arbeiten in den letzten Stunden des Gipfels unter Hochdruck. Ihre Experten interpretieren jede neue Information, die aus den verschiedenen Verhandlungsrunden nach außen dringt, sie sichten die neuesten Formulierungen in den Entwürfen und Beschlussvorlagen.

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Kommentare zu " Klimagipfel: Planlos in Durban"

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  • Ein Ergebnis analog der vorangegangenen Klimakonferenzen

    China und andere Länder hatten bereits zur Klimakonferenz in Kopenhagen ziemlich deutlich zu verstehen gegeben das man gerne den Europäern und ihrem ökologischen Glauben zuliebe einer freundlich unverbindliche Vereinbarung zustimmen werde, mehr nicht. Ein hartnäckiges Insistieren, oder missionieren kann damit lediglich zum Eklat führen.

    Die Theorie das die geringen Mengen des unbedeutenden Klimagases CO2 aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sich im Gegensatz zu den 20 - 30 fach grösseren CO2 Emissionen in der Atmosphäre ansammeln und eine ökologische Klimahölle schaffen in der die Menschheit erschwitzt, ist abwegiger als einst das Waldsterben.

    Der ökologische Glauben ist mittlerweile weitestgehend auf Europa beschränkt. Europa hat auch nicht mehr die Kraft dem Rest der Welt seinen Glauben aufzuzwingen.

    Vandale

  • Na dann hoffen wir doch mal alle inständig, dass unser Minister als einsamer Streiter doch noch die Welt (sorry: Den Planeten) rettet.

    In 20-30 Jahren werden China, Indien und andere Schwellenländer die erste Welt stellen. Dann wird niemand mehr über diese Öko-Religion reden. Genauso wenig wie heute noch irgend jemand vom Waldsterben spricht, was es ebenfalls nachweislich nie gegeben hat.

  • Eine große Ansammlung von Eitelkeit, Nationalismus und selbstverliebten Egoisten.
    Können solche Menschen die Welt retten?

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