Klimakompromiss beim G8-Gipfel
Pressestimmen: „Eine enttäuschende Vereinbarung"

Die internationale Presse hält den beim G8-Gipfel gefundenen Klimakompromiss mehrheitlich für unzureichend. Das kleine Zugeständnis von George W. Bush habe es allen Gipfelteilnehmern ermöglicht, ihr „Gesicht zu wahren". Wie die ausländischen Medien das Ergebnis von Heiligendamm kommentieren.

HB LONDON/PARIS/WIEN/ZÜRICH. Die römische Zeitung „La Repubblica“ schreibt, Absichtserklärungen genügten nicht, dazu sei das Klimaproblem viel zu dramatisch. Das Ergebnis des G8-Gipfels zeige, dass in den großen Industrienationen umweltgerechte Entwicklung dem „großen Verbrauch der Ressourcen untergeordnet ist: Demnach dürfen die entwickelten Industrieländer ihr erreichtes Niveau beibehalten, während die Entwicklungsländer darum kämpfen müssen, dort anzukommen, wo sich die anderen bereits befinden.“

Auch die Turiner Zeitung La Stampa bezeichnet die Einigung als „Enttäuschende Vereinbarung“. Die Staats- und Regierungschefs haben die Notwendigkeit, „den Ausstoß an Treibhausgas einzudämmen und zu einer „entscheidenden“ Reduzierung zu gelangen", zwar erkannt. Die Einigung gehe aber nicht weit genug. Als politischen Erfolg bezeichnet „La Stampa", dass US-Präsident George W. Bush erstmals eingewilligt habe, zukünftig den „Kampf gegen den Klimawandel unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu führen". Gastgeberin Merkel hält die italienische Zeitung zu Gute, dass es schwierig war, „auf einem Gipfel mehr zu erreichen, der von einer derart tiefen Spaltung in Sachen Klima zwischen den Europäern - unterstützt von Japanern und Kanadiern - auf der einen Seite sowie Amerikanern und Russen auf der anderen Seite beherrscht war“.

Nach Einschätzung der Pariser Finanzzeitung „La Tribune“ hat „der nach schwerem Kampf in Heiligendamm erreichte Fortschritt beim Klimaschutz hat nichts von einem Triumph". Bushs kleines sprachliches Zugeständnis, „ernsthaft" eine Halbierung des Ausstoßes von Treibhausgasen anzustreben, werde die Erdatmosphäre in den kommenden Jahrzehnten nicht gesünder machen. „Dafür hätte es mehr als ein kleines Satzteilchen gebraucht, das zudem jeder morgen nach seinem Gusto interpretieren wird", meint „La Tribune".

Laut der französischen Tageszeitung „Libération“ steckt bei der erzielten Einigung „der Teufel im Detail". George W. Bush, der größte Umweltverschmutzer der Erde, habe auf keinen Fall einem Zwang zum CO2-Abbau zustimmen wollen. „Der Text vermeidet jede feste Verpflichtung. Es ist also ein Kompromiss, der jedem das Gesicht zu wahren erlaubt." „Liberation" meint, ein Großteil der Gipfelteilnehmer, setze nach dem Fomelkompromiss auf die nahe Zukunft, „mit der viel Hoffnung verbunden wird: eine neue Ära für das Klima, die sich ganz einfach „die Zeit nach Bush“ nennt“.

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