Klimakonferenz in Durban
Luftverschmutzer kommen aus dem Westen

Den Großteil der Emissionen von Schwellenländern verursachen die reichen Staaten - und belasten damit die Umwelt in den Schwellenländern. Deshalb verlangen Forscher, den Kohlendioxid-Ausstoß anders zu messen.
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Hamburg/DurbanAuf den internationalen Klimakonferenzen sind die Rollen klar verteilt. Europa mit seinen ambitionierten Emissionszielen gehört zu den Guten; viele Entwicklungsländer gelten als schuldlos vom Klimawandel Getroffene. Auf der anderen Seite stehen Länder wie die USA oder China: Abhängig von fossilen Energieträgern und nicht willens, sich verbindlich zur Senkung ihrer Emissionen zu verpflichten. Auch in Durban ist das wieder so.

In Wahrheit aber sind die Dinge nicht ganz so klar. Schon länger zeigen internationale Statistiken: Europa konnte seine Kohlendioxid-Emissionen nur so stark senken – um mehr als ein Sechstel gegenüber 1990 –, weil seine Unternehmen einen Teil ihrer klimaschädlichen Produktion ins Ausland verlagert haben. Viele Fabriken sind in Länder abgewandert, die nicht dem Kyoto-Protokoll unterliegen und damit nicht verpflichtet sind, ihre Emissionen zu senken. Würde ihr Kohlendioxid-Ausstoß in die Berechnungen einbezogen, fiele die Klimabilanz Europas deutlich schlechter aus.

Das Kyoto-Protokoll begünstigt solche Verdrängungseffekte, auch Carbon Leakages genannt. Um die weltweiten Emissionen wirksam zu senken, müsse man deshalb andere Maßstäbe anlegen, argumentieren Wissenschaftler des ifo-Instituts in einer neuen Studie. Statt darauf zu schauen, wo das Kohlendioxid in die Luft geblasen werde, müsse man fragen, welche Emissionen durch die in einem Land verbrauchten Waren – Konsum- und Investitionsgüter – entstünden, schreiben Rahel Aichele und Gabriel Felbermayr. Diese Carbon Footprint genannte Größe sei eine bessere Grundlage für ein internationales Klimaabkommen.

Die Ökonomen haben den Carbon Footprint für 40 Länder berechnet und mit den heimischen Emissionen verglichen. Sie schauten, wie CO2-intensiv einzelne Branchen in unterschiedlichen Jahren in jedem Land produzierten. Dann prüften sie, welche Vorprodukte in den Gütern steckten, und bilanzierten die weltübergeifenden Handelsströme. Die nötigen Daten kamen von der Internationalen Energieagentur, der OECD und den Vereinten Nationen. Am Ende stand die CO2-Handelsbilanz jedes untersuchten Landes fest.

Für Deutschland zum Beispiel ergab sich: Einen Teil der Emissionen, der durch unseren Lebensstandard entsteht, haben wir ins Ausland verlagert. Wir importieren CO2 durch die hierzulande verbrauchten Güter, der deutsche Carbon Footprint ist höher als die heimischen Emissionen. Immerhin: Beide Werte sind heute niedriger als in den neunziger Jahren.

Durch den neuen Maßstab, den die Ökonomen ihren Berechnungen zugrunde legen, verschieben sich die Relationen der internationalen Klimapolitik deutlich. Betrachtet man wie bisher nur die CO2-Emission eines Landes, liegt China weltweit auf Rang eins; fast 21 Prozent des globalen Kohlendioxid-Ausstoßes kommt aus chinesischen Fabriken und Fahrzeugen. Die USA folgt mit fast 20 Prozent knapp dahinter.

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  • hmmm

    E10 wird aus Palmöl gemacht (oft).
    undd fafür rodet man tropische Urwäder

    Richtig so.


    1 Woche sich biologisch ernähren und 1 Kind verhungert in den III. Staaten zusätzlich.

  • Oje, es wird kälter auf der Welt!!!!

    Sommeranfang mit Wintereinbruch
    Mittwoch, 1. Juni 2011 , von Freeman um 10:00

    Zitate -------------------
    Eigentlich wäre heute der meteorologische Sommeranfang, aber in Teilen der Schweiz ist der Winter zurückgekehrt. In den Alpen fallen die Flocken bis auf 1000 Meter. Etliche Pässe sind geschlossen. Bis zu 16 cm Neuschnee sind gefallen.

    Schneedecke auf dem Kilimandscharo nimmt zu
    Samstag, 26. März 2011 , von Freeman um 00:05

    Der höchste Berg Afrikas wird sehr gerne von den Klimato-logen (Betonung liegt auf logen) als Beispiel für die drohende Klimaerwärmung herangezogen. So veröffentlichte der Schmiergel am 19. Februar 2001 einen Artikel mit der Überschrift „Kilimandscharo – Bald keine Schneehaube mehr“. Die neuesten Beobachtungen sagen aber 10 Jahre später was ganz anderes, die Schneehöhe auf dem Gipfel nimmt langsam zu, eine gute Nachricht.

    Türkei versinkt im Schnee
    Donnerstag, 10. März 2011 , von Freeman um 12:05

    Viele Schulen in der gesamten Türkei bleiben schon den dritten Tag wegen heftiger Schneefälle geschlossen und überhaupt ist das öffentliche Leben in vielen Provinzen zu einem Stillstand gekommen.

    Winterlandschaft in Ankara:



    In Ankara und Konya sind alle Schulen und Universitäten zu und der Schnee hat den Verkehr lahmgelegt. Der Bürgermeister Melih Gökçek warnte die Einwohner von Ankara, nicht mit ihren Autos mit Sommerreifen auf den Strassen zu fahren, damit diese nicht
    blockiert sind. Tausende Menschen mussten am Dienstag über viele Kilometer nach Hause laufen, da kein Fahrzeug die Hügel in Teilen von Ankara mehr hochkam.

    Auch die sonst warmen Regionen im Süden, wie Antalya, melden eine weisse Pracht. In İzmir erlebten die Bewohner den ersten Schnee im Monat März seit 1968.

    Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Türkei versinkt im Schnee http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/03/turkei-versinkt-im-schnee.html#ixzz1fZDWNhov

  • Das ist doch alles nicht so ernst zu nehmen. Siehe dazu meinen Beitrag zum verhalten von Röttgen.

    Da ich mit zu einem großen Teil des Jahres in Japan und Malaysia aufhalte sehe ich wie locker da mit CO2 umgegangen wird. Es ist weder in Japan noch in Malaysia - und ich gehe davon aus auch in den anderen Ländern - überhaupt kein Thema. So wird nach wie vor noch in Indonesien in der Trockenzeit Brandrodung betrieben. Der Qualm zieht nach Thailand, Malaysia und Singapore. In Malaysia nennt man das HAZE. Die Bilder werden dann in den Medien veröffentlicht und als Umweltverschmutzung, die es ja auch ist, hingestellt. Nur, Schuld sind die Industrie Länder, vornehmlich die Europäer. Auf den gerodeten Flächen werden dann Ölpalmen angebaut und das Palmöl wird, wie gesagt, hauptsächlich nach Europa exportiert und dem Sprit bei gemischt.

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