Klimareport
Uno präsentiert Horrorszenario

Die Uno wird die Welt wieder schocken: Am Freitag will der Weltklimarat (IPCC) der Vereinten Nationen in Brüssel seine düstere Prognose zu den Auswirkungen der Erderwärmung auf die Menschheit vorlegen. Aus Entwürfen für das Schlussdokument geht hervor, dass kommende Hitzeperioden alle Regionen der Welt massiv treffen könnten.

GENF/BRÜSSEL. Ein gefährlich steigender Meeresspiegel, ein dramatischer Mangel an Süßwasser, Hungersnöte und der Kollaps ganzer Ökosysteme könnten dem Globus bevorstehen. „Am härtesten wird die Erderwärmung ärmere Regionen wie Afrika treffen“, betont Bruce Hewitson, Klimatologe von der Universität Kapstadt.

Anfang Februar hatte der IPCC mit dem ersten Teil seines Berichts über den Klimawandel bereits eine Debatte über Gegenmaßnahmen losgetreten. Am zweiten Teil des Reports mit dem Titel „Wirkung, Anpassung und Verwundbarkeit“, der morgen präsentiert wird, wurde bis zuletzt gefeilt. Vor allem die großen Luftverschmutzer USA, Russland und China versuchten, den Bericht mit Änderungswünschen abzuschwächen, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Die USA hätten vor allem kritisiert, dass viele Inhalte des vertraulichen Berichts bereits an die Öffentlichkeit gelangt seien, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). Dadurch sähen sie sich öffentlich unter Druck gesetzt und die Unabhängigkeit ihres Urteils über den Bericht gefährdet. Schon zu Beginn der Beratungen in Brüssel war es zum Streit zwischen der US-Regierung und der EU-Kommission gekommen. Umweltkommissar Stavros Dimas hatte gerügt, dass die USA als weltgrößter Luftverschmutzer immer noch keine verbindlichen Klimaschutzziele akzeptieren wollen.

Die USA seien unter anderem bemüht, die Passagen des Berichts zu den Gefahren von Trinkwassermangel und Versteppung abzuschwächen, hieß es aus Delegationskreisen. Die Ergebnisse zum Wassermangel entscheiden unter anderem darüber, in welchem Umfang die reichen Industrieländer Afrika bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels helfen sollen. „Bei der Debatte geht es auch um wirtschaftliche Interessen“, sagte Müller. Allerdings gebe es in keinem Punkt unüberbrückbare Gegensätze. Er sei deshalb optimistisch, dass bis morgen eine Einigung gefunden werde, die alle Staaten mittragen könnten, so der Staatssekretär.

Umweltschutzorganisationen sehen ihre Befürchtungen zur Erderwärmung durch den zweiten Teil des Uno-Reports bereits bestätigt: „Die wissenschaftlichen Beweise sind stärker als je zuvor“, sagt Catherine Pearce, Klimaexpertin bei Friends of the Earth. „Wir erleben die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt, aber es steht uns noch Schlimmeres bevor.“

Entwürfe für den zweiten Teil des IPCC-Reports gehen davon aus, dass höhere Temperaturen verschiedene Kettenreaktionen auslösen werden. So beschleunigen etwa schmelzende Gletscher und polare Eismassen den Anstieg des Meeresspiegels. Das aber kann Flutkatastrophen an niedrig gelegenen Küstenregionen heraufbeschwören. Binnen 80 Jahren könnten nach den Vorhersagen Millionen Europäer direkt vom steigenden Meeresspiegel bedroht sein. In Afrika müssen sich die Menschen in den Ballungsräumen des Nildeltas in Ägypten und des Nigerdeltas in Nigeria auf das Schlimmste gefasst machen.

Auch die Hitze wird auf den Landmassen Schäden anrichten: In Nord- und Osteuropa etwa könnte bis 2070 das Potenzial der Energiegewinnung durch Wasserkraft um bis zu 30 Prozent schrumpfen, im Mittelmeerraum könnte es sogar zur Hälfte wegfallen. Die Pflanzenwelt des alten Kontinents wird nach Einschätzung vieler Fachleute eine Art Kahlschlag erleben – große Teile der Flora sind für Hitzeperioden nicht geschaffen. Und Feuersbrünste werden vor allem im mediterranen Raum immer stärker wüten.

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