Klimaschutz
Gipfel von Kopenhagen ist zum Erfolg verdammt

Die Erwartungen an den Klimagipfel in Kopenhagen könnten größer kaum sein, doch die Aussichten auf den geforderten Durchbruch stehen schlecht. Die Vorbereitungstreffen brachten kaum Fortschritte und ein Ausgleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ist schwer zu erreichen.
  • 0

BERLIN. Der Gipfel in Kopenhagen sollte den Durchbruch bringen. Seit Jahren warnen Wissenschaftler, dass sich der Klimawandel nur dann einigermaßen beherrschen lässt, wenn die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzt wird. Und das werde nur gelingen, wenn Kraftwerke, Industriebetriebe, Autos und Haushalte deutlich weniger Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen als bisher.

Und hier beginnen die Fragen: Wie lässt sich der CO2-Ausstoß bremsen, ohne das Wirtschaftswachstum abzuwürgen? Woher soll das Geld kommen, um den Klimaschutz zu finanzieren? Wie schwer wiegt die „historische Verantortung“ der Industrienationen für die Luftverschmutzung, und welchen Beitrag müssen die aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer leisten?

Vorbereitungskonferenzen ohne durchschlagenden Erfolg

Formal verhandeln in Kopenhagen die Umweltminister aus 192 Staaten über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das im Jahr 2012 ausläuft. Doch vor dem Gipfel deutete vieles darauf hin, dass das knapp zweiwöchige Uno-Treffen nur ein mageres Ergebnis bringen wird. Denn seit Monaten treffen sich die Unterhändler aus aller Welt zu Vorbereitungskonferenzen – ohne durchschlagenden Erfolg. Beim letzten Treffen Anfang November in Barcelona scheiterte selbst der Versuch, wenigstens einen Text zu erarbeiten, der als Grundlage für die Verhandlungen in Kopenhagen dienen könnte.

Trotz eines zweijährigen intensiven Verhandlungsmarathons seit der letzten Welt-Klimakonferenz auf Bali gibt es weder Klarheit darüber, wie stark die Industrieländer ihren Treibhausgasausstoß senken, noch, mit welchen Finanzhilfen ärmere Länder rechnen können.

Immerhin: Etliche Bremser haben sich in letzter Minute noch bewegt. So planen die USA, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken, bis 2030 gar um 42 Prozent; da aber das US-Klimagesetz noch im Kongress feststeckt, ist das bisher nicht mehr als eine politische Willenserklärung. Auch Peking will den CO2-Ausstoß um 40 bis 45 Prozent senken – allerdings nur „pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts“. Das bedeutet nur, dass Chinas Emissionen in Zukunft langsamer wachsen als seine Wirtschaft.

Spätestens seit dem Asien-Pazifik-Gipfel Mitte November ist klar, dass sich das ursprüngliche Ziel, in Kopenhagen einen völkerrechtlich bindenden Vertrag zu verabschieden, nicht mehr verwirklichen lässt. Dabei drängt die Zeit: Denn selbst wenn es gelänge, in Zukunft kein CO2 mehr in die Luft zu blasen, bleibt das in der Vergangenheit ausgestoßene Kohlendioxid noch über Jahrhunderte in der Atmosphäre.

Seite 1:

Gipfel von Kopenhagen ist zum Erfolg verdammt

Seite 2:

Kommentare zu " Klimaschutz: Gipfel von Kopenhagen ist zum Erfolg verdammt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%