_

Klimaschutz: Indien probt den Alleingang

Indien will sich nicht verbindlichen Zielen eines internationalen Klimaschutzabkommens unterwerfen, sondern eigene Maßnahmen zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes ergreifen. Damit widersetzt sich Indien den Forderungen der EU und der USA, rechtlich verbindliche Zusagen bei der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember zu machen.

Indiens Umweltminister Jairam Ramesh: "Wir gehören nicht in die Ecke des Sündenbocks." Quelle: Reuters
Indiens Umweltminister Jairam Ramesh: "Wir gehören nicht in die Ecke des Sündenbocks." Quelle: Reuters

NEU-DELHI. Indien will deutlich mehr als bisher für den Klimaschutz tun, allerdings nur im Alleingang. "Wir werden freiwillig eigene Maßnahmen zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes ergreifen und sind bereit, der Uno darüber jährlich Bericht zu erstatten", sagte Umweltminister Jairam Ramesh dem Handelsblatt. Keinesfalls aber werde sich Indien verbindlichen Zielen eines internationalen Klimaschutzabkommens unterwerfen.

Anzeige

Die EU und die USA setzen Indien als den weltweit viertgrößten Verursacher von Treibhausgasen massiv unter Druck, bei der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember rechtlich bindende Zusagen zur CO2-Minderung zu machen. Doch die Regierung in Neu-Delhi bleibt hart und ist sogar entschlossen, dafür auf die von Industrieländern in Aussicht gestellte Finanzhilfe für Klimaschutzprojekte zu verzichten. "Wir werden unsere Anstrengungen zur CO2-Minderung unabhängig davon unternehmen, ob es dafür internationale Finanzmittel gibt", kündigte Ramesh an. Die Regierung handele nicht auf Drängen anderer Länder, sondern aus Verantwortung gegenüber ihrer Bevölkerung, die zunehmend unter den Folgen des Klimawandels leide. "Es wäre deshalb lächerlich, unsere Maßnahmen von Zuschüssen des Auslands abhängig zu machen."

Deutschland und die EU verlieren damit ihr wichtigstes Druckmittel. Unter anderem wegen Indiens eindeutiger Weigerung, einem Folgeabkommen für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beizutreten, fürchten sie ein Patt auf der Weltklimakonferenz und damit deren Scheitern. Denn die USA, neben China der größte Klimasünder, wollen nur dann ein Abkommen zur CO2-Reduktion abschließen, wenn das auch Indien, China und andere große Schwellenländer tun. Die EU unterstützt bisher Washingtons Position. Indien dagegen verlangt von den USA und Europa, dass sie als Hauptverantwortliche für den Klimawandel Vorleistungen erbringen.

"Die Industrieländer müssen sich verpflichten, bis 2020 ihren CO2-Ausstoß um 25 bis 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken", forderte Ramesh, sonst drohe in Kopenhagen ein Misserfolg. Das vom US-Kongress als zu weitgehend blockierte Klimagesetz sehe aber nur eine Minderung von fünf Prozent bis 2020 vor. "Das ist lächerlich", so Indiens Umweltminister. Lob zollte er dagegen der EU und Japan für ihre Zusagen. Die EU will ihren CO2-Ausstoß um 30 Prozent senken, wenn die anderen großen Klimasünder ähnliche Zusagen machen, Japan hat eine Reduktion um ein Viertel angekündigt.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International