Klimaschutz
Schwellenländer geißeln Industriestaaten als Bremser

Vor dem Dezember-Gipfel in Kopenhagen sind die Fronten verhärtet, Industrie- und Schwellenländer blockieren sich gegenseitig. Peking wirft den Industrieländern vor, ein neues Abkommen zu sabotieren. Auch von anderer Seite kommt Kritik: Die Reduktionsziele der Industriestaaten sei zu gering, monieren Beobachter.
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BRÜSSEL/BERLIN. Die Verhandlungen zur Vorbereitung des Weltklimagipfels Mitte Dezember in Kopenhagen stocken, weil Industrie- und Schwellenländer sich gegenseitig blockieren. "Wir warten auf ein Signal, um den Stillstand zu überwinden", sagte ein Teilnehmer der Vorbereitungskonferenz, die noch bis zum Ende dieser Woche in Bangkok läuft. Möglicherweise geht das erhoffte Signal vom Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs Ende Oktober aus.

Wie verfahren die Situation derzeit noch ist, verdeutlicht die jüngste Kritik Chinas. Peking wirft den Industrieländern vor, ein neues Klimaabkommen zu sabotieren. Die reichen Nationen versuchten immer wieder, sich ihrer Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase zu entziehen, sagte der Sprecher der chinesischen Delegation, Yu Qingtai, gestern in Bangkok. Es handele sich um eine "konzertierte Aktion".

Die Schwellenländer fühlen sich derzeit in einer starken Verhandlungsposition. Die Chinesen beispielsweise haben in den vergangenen Monaten immer neue nationale Ziele angekündigt, etwa für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Und selbst ein Land wie Indien, das bislang eher zu den Blockierern gezählt wurde, nimmt für sich in Anspruch, mit der Ankündigung freiwilliger Maßnahmen zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes einen konstruktiven Beitrag zum Fortgang der Verhandlungen geleistet zu haben.

Aus Sicht von Beobachtern sind die Industrieländer am Zug. "Die Frage ist, wie viel Geld die Industrieländer in die Hand nehmen wollen", sagt Kathrin Gutmann, die für die Umweltschutzorganisation WWF die Verhandlungen in Bangkok beobachtet. Nichtregierungsorganisationen wie der WWF haben traditionell bei internationalen Klimaschutzverhandlungen eine starke Position. Sie üben erheblichen Einfluss auf die Delegationen der Länder aus.

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