Klimaschutz
Wie Unternehmen Brasiliens Präsident drängen

Eine bunte Allianz von Unternehmern und Umweltschützern drängt Lula in die Rolle des Klimaschützers. Brasiliens Jugendliche sorgen sich um ihre künftigen Lebensbedingung, Manager um ihre Exporte. Sie fordern von ihrem Regierungschef bei den internationalen Klimaverhandlungen, für strikte Emmissionsziele zu kämpfen.
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SAO PAULO. So komisch es klingt – erst kürzlich traf sich ein dutzend Unternehmer in São Paulo, um Mitgliedsanträge bei den brasilianischen Grünen zu unterschreiben – allesamt Teil der Wirtschaftselite, welche die Frist einhalten wollten, um in einem Jahr für die Grüne Partei kandidieren zu können.

Die Besitzer von Klabin und Moinho Brasil, führenden Papier- und Zelluloseherstellern, waren dabei; der Verwalter von Brasilinvest, eines milliardenschweren Privat-Equity-Fonds; der Präsident des wirtschaftsnahen Ethik-Thinktanks Ethos. Und auch Guilherme Leal, Mitbesitzer von Natura, dem größten Kosmetikkonzern Brasiliens und Forbes-Milliardär. Der 59-jährige Topmanager könnte sogar als Vizepräsident für die Grünen kandidieren – gemeinsam mit der ehemaligen Umweltministerin Marina Silva, die aus Präsident Lulas Arbeiterpartei ausgetreten, zu den Grünen gewechselt ist und die eigene Präsidentschaftskandidatur vorantreibt.

Tatsächlich ist das Engagement der Wirtschaftselite so ungewöhnlich nicht: Die brasilianischen Großkonzerne stellen schon länger eine Art Umweltavantgarde der Gesellschaft dar. „Die Mehrheit der Unternehmen reagiert schneller auf die Klimadebatte als die Regierung oder die Parteien“, sagt der Ökonom José Eli da Veiga von der Uni São Paulo.

Der Grund: Die Konzerne arbeiten im Ausland mit internationalen Umweltstandards und müssen diese auch Zuhause einhalten. Deshalb üben sie massiv Druck aus auf die Regierung, eine ehrgeizigere Klimapolitik zu fahren. Denn Brasiliens Topmanager und Unternehmer wissen: Emissionsauflagen im Rahmen des Kyoto-Nachfolgeprotokolls könnten schon bald eine neue Protektionismuswelle auslösen. Unter der litten vermutlich die Unternehmen am stärksten, deren Staaten lax mit den Klimaauflagen umgehen.

Doch der ehemalige Arbeiterführer und heutige Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva interessierte sich in seinen zwei Amtszeiten nie besonders für grüne Themen. Sie spielten lange nur in der intellektuellen Mittelschicht der Städte eine Rolle in der Politik. Doch das hat sich geändert. Umweltthemen sind in Brasilien en vogue. Keine Zeitung, keine Sendung kommt mehr ohne sie aus. Der TV Sender Globo, der größte Lateinamerikas, hat ein Amazonas-Projekt gestartet. Die staatlichen Kultursender bringen Dokusendungen über Biodiversität und das Kyoto-Protokoll. Umfragen unter Jugendlichen zeigen: Die Sorgen um die Lebensbedingungen künftiger Generationen nimmt beim Nachwuchs zu.

„In der letzten Zeit ähnelte Brasilien ein bisschen den USA unter Bush“, sagt Osvaldo Soliano, Experte für alternative Energien: „Die Gesellschaft ist eindeutig für mehr Umweltpolitik, doch die Regierung stellt sich stur.“

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