Klimaschutzabkommen
Neue Klimastudie erhöht Druck auf die USA

Die EU hat im Streit mit den USA und China um ein neues Klimaabkommen Rückendeckung bekommen. Der Kampf gegen die Erderwärmung werde bis 2020 mit ca. 600 Mrd. Euro nicht mehr kosten als das jüngste US-Konjunkturpaket, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

BRÜSSEL. Die Europäische Union hat im Streit mit den USA und China um ein neues weltweites Klimaschutzabkommen Rückendeckung aus der Industrie bekommen. Der Kampf gegen die Erderwärmung werde bis 2020 mit ca. 600 Mrd. Euro nicht mehr kosten als das jüngste US-Konjunkturpaket, heißt es in einem neuen Klimabericht, den die Unternehmensberatung McKinsey am Montag in Brüssel vorstellte. Ein Großteil der Investitionen könne durch Energieeinsparung erwirtschaftet werden, so dass sich die Gesamtkosten auf weniger als ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzen ließen, sagte McKinsey-Direktor Tomas Nauclér.

Diese Schätzung liegt deutlich unter den Zahlen des sogenannten Stern-Bericht, mit dem der britische Ökonom Nicholas Stern 2006 die Welt aufgerüttelt hatte. Auf 5,5 Billionen Euro oder 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung könnten sich die ökonomischen Folgen des Klimawandels schlimmstenfalls summieren, hieß es in dem Report für die britische Regierung. Die Kosten für den Klimaschutz bezifferte Stern damals auf rund ein Prozent der Wirtschaftsleistung - laut Nauclér könnte jedoch schon etwas mehr als die Hälfte ausreichen.

Voraussetzung sei allerdings, dass es schnell zu einer Einigung auf globale, sektorübergreifende Maßnahmen komme, so der Experte. Neben der EU, den USA und China müssten auch die Schwellenländer zum Klimaschutz beitragen. "Wir brauchen einen weltweiten New Deal", sagte Nauclér dem Handelsblatt. Dies sei mehr als ein neues Klimaabkommen, wie es die Uno bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember dieses Jahres anstrebt. Es gehe darum, "aggressiv" alle möglichen Klimaschutzstrategien zu verfolgen. Dazu gehöre neben Energieeinsparung und dem Ausbau erneuerbarer Energien auch die Atomkraft.

Der McKinsey-Bericht wurde von Unternehmen wie Enel, Shell, Vattenfall und Volvo gesponsert. Die EU-Kommission begrüßte die Ergebnisse. Die EU hatte sich im Dezember auf ein eigenes Programm zum Klimaschutz geeinigt. Dabei war sie weit auf die Industrie zugegangen. Am Mittwoch will die Kommission nun ihre Strategie für die Klimakonferenz in Kopenhagen vorstellen. Dabei will sie vor allem die USA zu entschiedenen Schritten auffordern.

Der neue US-Präsident Barack Obama hat bereits angekündigt, die unter seinem Amtsvorgänger George W. Bush eingenommene Bremserrolle beim Klimaschutz zu beenden. Obamas Ziel ist es, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in den USA bis 2020 auf das Niveau von 1990 zu drücken. In Amerika soll zudem ein System des Emissionshandels aufgebaut werden, wie es in Europa existiert. In den kommenden zehn Jahren will der Staat mit Investitionen von 150 Mrd. Dollar einen umfassenden ökologischen Umbau der Wirtschaft antreiben.

Seite 1:

Neue Klimastudie erhöht Druck auf die USA

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%