Klimawandel
Erwärmung am Südpol hebt Meeresspiegel kräftig

Ausgerechnet das Ozonloch schützte die Antarktis bislang – doch bis zum Jahr 2100 erwarten Forscher einen drastischen Eisverlust. Denn mit der Erholung der Ozonschicht verschwindet der Schutzschild. Forscher befürchten, dass der Meerespiegel um 1,4 Meter ansteigen könnte.
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OTTAWA. Südpolarforscher haben eine verblüffende Entdeckung gemacht: Das Ozonloch hat weite Teile der Antarktis vor den Folgen des Klimawandels abgeschirmt und einen kühlenden Effekt gehabt. Mit der Erholung der Ozonschicht aber wird dieser Schutzschild verschwinden. Zugleich wird der Verlust von Eis in der westlichen Antarktis bis 2100 vermutlich deutlich zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels beitragen.

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Antarktisforschung legte am Montag in London seinen Bericht „Antarktischer Klimawandel“ vor. Die Forscher gehen davon aus, dass der Meeresspiegel entgegen früherer Schätzungen des Weltklimarates IPCC nicht um 59 Zentimeter, sondern um 1,4 Meter ansteigen könnte. Sie sehen bereits drastische Veränderungen in einigen Bereichen der Antarktisküste und des Ozeans. Ein höherer Wasserspiegel bedrohte vor allem niedrig liegende Inselstaaten.

Die Antarktis ist ein etwa 13 Mio. Quadratkilometer großer Kontinent, der zu 98 Prozent von Eis bedeckt und vom Südlichen Ozean umgeben ist. „Das Ozonloch schützt die Antarktis bisher noch vor dem globalen Erwärmungsphänomen. Aber diese Schutzfunktion wird abnehmen und die Antarktis wird der Erwärmung anheim fallen“, urteilt Julian Gutt vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Der Schutzschild wirkt nur über der Ost-Antarktis, die etwa vier Fünftel des Kontinents ausmacht, nicht aber in der kleineren West-Antarktis. Das Ozonloch verursacht einen Windkreisel, der wärmere Luft abweist und kühlt. Durch den Verzicht auf die Ozon-schädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe aber wird sich das Ozonlich langsam schließen und der Schutzschirm verschwinden. Im westlichen Teil des Südpols wurde dagegen bereits ein leichter Temperaturanstieg gemessen, auf der Antarktischen Halbinsel sogar „eine rapide Erwärmung im Sommer“. Die größte ozeanische Strömung der Erde, die Antarctic Circumpolar Current, erwärmt sich schneller als die Weltmeere. Der Westantarktische Eisschild ist dünner geworden. Insgesamt erwarten die Forscher in diesem Jahrhundert einen Temperaturanstieg um etwa drei Grad in der Antarktis; das Meereis werde etwa um ein Drittel abnehmen.

Der Bericht wurde am Vortag des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des Antarktisvertrags vorgelegt. Während in der Arktis die Anrainerstaaten über Hoheitsrechte streiten, herrscht in der Antarktis politisch und wirtschaftlich Ruhe.

Musterbeispiel für Kooperation

Der Antarktis-Vertrags, der am 1. Dezember 1959 unterzeichnet wurde, gilt als Musterbeispiel für internationale Kooperation. In ihm verständigten sich zunächst zwölf Staaten, den Südpol nur für friedliche Zwecke zu nutzen „und nicht zum Schauplatz oder Gegenstand internationaler Zwietracht werden zu lassen“. Untersagt sind der Bau militärischer Stützpunkte, Manöver und Waffentests. Für den künftigen Umgang der Staaten mit der Polregion auf der Nordhalbkugel könnte er ein Vorbild sein.

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