Klimawandel
Indiens Solarmission

Obwohl in Indien an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, basiert die Stromerzeugung vor allem auf Kohle und Öl. Das will die Regierung nun ändern. Der Grund dafür ist allerdings alles andere als altruistisch: Indien ist eines der Länder, die am schlimmsten vom Klimawandel betroffen sind.
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NEU-DELHI. Wenn Deepak Puri Investoren von der glänzenden Zukunft seiner Firma Moser Baer überzeugen will, dann beginnt er seine Präsentation mit zwei Fotos. Sie zeigen einen Gletscher im Himalaya unweit des Ortes, wo der heute 68-Jährige geboren ist. Das erste Bild ist 30 Jahre alt, das zweite von 2008. Von dem gewaltigen Eispanzer, der einst beinahe das gesamte Tal ausgefüllt hat, ist nur noch ein schmales, schmutzigweißes Band zu sehen. „Diese Fotos sind der beste Beleg, warum Indiens Investitionen in den Klimaschutz dramatisch zunehmen werden“, sagt Puri dann.

Moser Baer stellt Solarzellen her. Es ist eines der wenigen indischen Unternehmen in dieser Branche, hat sein Solargeschäft bisher aber vor allem im Ausland gemacht, denn in Indien fristet die Solarenergie ein Nischendasein – trotz optimaler Bedingungen mit bis zu 300 Sonnenscheintagen im Jahr. Die an das Stromnetz angeschlossenen Anlagen haben eine Kapazität von nur drei Megawatt. 85 Prozent der in Indien hergestellten Solarpanels würden exportiert, sagt der Minister für erneuerbare Energien, Farooq Abdullah.

Nun hat die Regierung ein Programm beschlossen, das die Solarenergiekapazität des Landes bis 2022 auf 20 000 Megawatt katapultieren soll. „Indien ist eines der Länder, die vom Klimawandel am schlimmsten betroffen sein werden“, begründet Umweltminister Jairam Ramesh die Kehrtwende in der auf den Klimakillern Kohle und Öl fußenden Energiepolitik. Nicht nur im Himalaya lassen sich die Folgen beobachten. In den Küstenregionen der Gangesmündung bei Kalkutta wachsen die Schäden von Überschwemmungen und Wirbelstürmen, in den Agrarstaaten des Nordens ist der Monsun, der den Bauern 80 Prozent des Regens bringt, spärlicher und unberechenbar geworden.

Die „nationale Solarmission“, wie die Regierung ihr Programm nennt, ist aber auch eine Reaktion auf internationalen Druck. Indien ist – lässt man die EU als Wirtschaftsraum außen vor – weltweit der viertgrößte Treibhausgas-Emittent. Erst am vergangenen Donnerstag gab Umweltminister Ramesh ein – nicht bindendes – Klimaziel für das Land bekannt: Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß um 25 Prozent sinken – im Vergleich zu 2005 und nur, wenn die internationale Gemeinschaft hilft. Der durchschnittliche Inder erzeuge ohnehin kaum mehr als ein Zwanzigstel des Kohlendioxids, auf das es ein Amerikaner jährlich bringt.

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