Klimawandel
US-Konzerne verlassen Handelskammer

Die US-Handelskammer kämpft derzeit massiv gegen die Einführung eines Emissionsrechtehandels - und handelt sich damit den Unmut ihrer Mitglieder ein. Technologiekonzern Apple hat die Mitgliedschaft bereits gekündigt und auch Sportartikelhersteller Nike fordert die Kammer auf, ihre Haltung zum Klimawandel zu überdenken.
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NEW YORK. Die US-Handelskammer (Chamber of Commerce) gerät nach dem Austritt führender Konzerne unter Druck, eine konstruktivere Haltung im Kampf gegen den Klimawandel einzunehmen. Innerhalb von zwei Wochen haben drei große Energiefirmen sowie der Technologie-Star Apple ihre Mitgliedschaft bei der Kammer gekündigt. Zudem hat der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike seinen Board-Sitz im Gremium niedergelegt und zur Begründung angegeben, dass man in „fundamentalem Widerspruch“ zur Haltung der Handelskammer in Klimafragen stehe.

Nike vertrete die Ansicht, „dass US-Firmen für ein aggressives Klimaschutzgesetz einstehen müssen“, heißt es in einem Schreiben des Sportartikel-Konzerns. Ähnlich äußerte sich Apple: „Wir würden es vorziehen, wenn die Kammer im Kampf gegen den Klimawandel eine progressivere Haltung einnehmen und eine konstruktivere Rolle spielen würde“, hieß es in einem Brief des iPod-Herstellers an die Wirtschaftsvereinigung.

Die Handelskammer reagierte alarmiert auf die Austritte und betonte, dass sie Bemühungen zum Kampf gegen den Klimawandel sehr wohl unterstütze. Sie nehme in dieser Frage eine etablierte Position ein („Mainstream“), die von mehr als 100 Unternehmensführern im Board unterstützt werde, hieß es.

In der Diskussion um die Einführung eines Emissionsrechtehandels gehört die Kammer jedoch zu den Gegnern. Damit vertritt sie vor allem die Interessen von Energiekonzernen wie Conoco Phillips oder Peabody Energy, die sich hinter den Kulissen gegen ein geplantes Klimaschutzgesetz der Regierung von Präsident Barack Obama stemmen. In den internationalen Bemühungen gegen den Klimawandel hat Obama nach seinem Amtsantritt im Januar die jahrelange Blockadehaltung seines Vorgängers George W. Bush aufgegeben. Die regierenden Demokraten im Senat haben in der Vorwoche einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine Verminderung der Treibhausgase um ein Fünftel bis 2020 vorsieht. In einer im Juni vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Vorlage ist von 17 Prozent Minus die Rede. Doch wird ein neues Klimaschutzgesetz, das auf Obamas Agenda steht, wegen höherrangiger Themen (Gesundheitsreform, Finanzregulierung) noch einige Monate auf sich warten lassen.

Der eindeutige Politikwechsel hat aber zu einem Riss in Amerikas Konzernlandschaft geführt, der mit den Differenzen in der Handelskammer immer stärker zum Vorschein kommt. Während die einen um ihre Profite fürchten und gegen das Klimaschutzgesetz kämpfen, hoffen Firmen wie der führende US-Nuklearbetreiber Exelon auf bessere Geschäfte; auch Exelon hat seine Mitgliedschaft bei der Kammer gerade gekündigt.

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