Klitschko geschwächt
Technisches K.O. durch Putins Coup

Putins Deal für die krisengeschüttelte Ukraine lässt nicht nur die EU ratlos zurück. Auch die prowestliche Opposition muss erkennen, dass sie im Machtpoker mit dem Kreml mit leeren Händen dasteht.
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Kiew/MoskauIm Überschwang des Triumphs präsentiert die ukrainische Führung in Kiew die russischen Milliardenzusagen von Kremlchef Wladimir Putin. Von einer Rettung für die Ukraine vor dem Staatsbankrott spricht Regierungschef Nikolai Asarow. Plötzlich reden auch viele Gegner der prorussischen Führung um Asarow und Präsident Viktor Janukowitsch kaum noch von der geplatzten Partnerschaft mit der EU. Nach vier Wochen Dauerprotest der EU-Anhänger um den ukrainischen Oppositionsführer Vitali Klitschko lässt Putins Milliarden-Coup die prowestliche Bewegung ins Leere laufen.

Der 30-Prozent-Rabatt auf russische Gaslieferungen, ein Kredit von 15 Milliarden US-Dollar (10,9 Milliarden Euro) und ein Ende von Handelsbeschränkungen geben Janukowitsch mehr Rückhalt als von allen erwartet. Gut möglich, meinen Kommentatoren, dass der Konflikt um den verpassten EU-Kurs und die bisweilen gewaltsamen Proteste der Opposition bald vergessen sind. Denn jetzt präsentieren sich Janukowitsch und Asarow als strahlende Sieger, die Geld nach Hause bringen.

Die Kräfte um Klitschko und die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko stehen vor dem Problem, dass sie die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht garantieren können. Die Regierung hingegen kann die Wähler vor den Präsidentenwahlen 2015 mit sozialen Wohltaten locken.

Fünf Milliarden Euro spart die Ex-Sowjetrepublik allein durch die Rabatte für das Gas. Der Mindestlohn soll nun 2014 in drei Etappen steigen. Mit knapp 130 Euro verdoppelt er sich fast gegenüber 2009. Die Löhne der Staatsangestellten steigen. Krankenschwestern oder Kindergärtnerinnen sollen Regierungschef Asarow zufolge allein im nächsten Jahr 18 Prozent mehr verdienen.

In Russland hingegen fragen sich viele einmal mehr, wie ihr selbst wirtschaftlich gerade nicht glänzendes Land die Wohltaten für die Ukraine bezahlen soll. „Die 15 Milliarden Kredit an die Ukraine kommen aus dem Fonds des nationalen Wohlstands, der eigentlich für die Zahlungen von Renten an Russen gedacht ist“, schreibt der frühere Wirtschaftsminister Andrej Netschajew bei Twitter. Putin sieht sich Kritik ausgesetzt, den geopolitischen Sieg gegen den Westen teuer erkauft und über die Interessen Russlands gestellt zu haben.

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Putin will die postsowjetische Eurasische Union

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  • Ich kann nicht einsehen, warum der Artikel die Opposition als Verlierer darstellt. Die Proteste haben massgeblich dazu beigetragen, dass die Ukraine ein ausgesprochen attraktives Angebot von den Russen bekommen hat.

    Ich sehe hier nur lauter Gewinner, ausser vielleicht den russischen Rentnern, die ihre Ersparnisse anderswo sicher besser investieren hätten können.

    Natürlich muss man schauen, ob da mit dem Pipelinenetz oder anderen strategischen Werten gemauschelt wurde. Fazit aber bleibt, dass Klitschko & Co. verhindert haben, dass das Regime das ganze Land einfach an die Russen verschenkt. Stattdessen haben die Russen nun für eine Heidengeld die Ukraine für ein Paar gemietet, damit Sie Ihre eurasischen Grossmachtsträume noch ein wenig weiterträumen können. Die Träume anderer kann man zu gutem Geld machen - Das haben die Ukrainer anscheinend begriffen.

    Für den Westen ist dieser Ausgang sicher kein Problem - Ganz im Gegenteil. Mit dem russischen Geld (oder was nach Abzug der Schmiergelder davon übrig bleibt) kann die Ukraine sich in den nächsten 10 Jahren für die EU fit machen. Und das ist ja auch wirklich nötig, sind wir mal ganz ehrlich.

    Die EU kommt so oder so. Da müsste in Russland schon EINIGES geschehen, als dass man auf Dauer als ernstzunehmende Alternative zur EU dastehen könnte. Geld allein wird´s leider nicht richten.

    Deshalb: Echten Glückwunsch an Klitschko und die Bürger von Kiew. Ihr habt gekämpft und alles gewonnen, was im Moment zu gewinnen war. Geht jetzt heim und genehmigt Euch einen heissen Glühwein. Ist ehrlich verdient!

  • Putin schickt Klitschko auf die Bretter.
    Technischer KO in der 1. Rund.
    Es lebe Putin, hoch! Hoch! Hoch!

  • Das hier ist ein anderes Spiel als im Boxring. Im Boxring steht er allein seinem Gegner gegenüber und kämpft. Er kämpft dort auffallend gut, mit sehr viel Sympathie!

    Hier ist das Spiel anders. Er hat sich täuschen lassen. Er hat sich täuschen lassen von Leuten, die vorgaben, Profi im politischen Geschäft zu sein. Tatsächlich sind sie taktische einem Putin in allen Punkten unterlegen waren.

    Der Fehler Klitschkos war, die anderen Spielregeln nicht zu kennen, dass er in gewissem Sinne naiv war.

    Der große Fehler von Klitschko war, dass der seinen externen "Unterstützern" einen Part zuwies, sich auf deren Arbeitsprofessionalität verlies und deshalb so fürchterlich eingebrochen ist.

    Es war die gleiche Masche wie bei Pussy Riot und den Greenpeace-Aktivisten. Ein Sorry zur rechten Zeit, statt einem "Scharfmachen" Unbeteiligter aus dem Hinterhalt, das die russische Position verschärft, wäre angemessener gewesen.

    Was passiert denn, wenn Putin durch russisches Militär russisches Vermögen in der Ukraine schützen lässt. Klitschko steht blamiert da und von den westlichen "Sprüchekloppern" ist keiner mehr zu sehen.

    Im Fachjargon bezeichnet man derartiges als "Rohrkrepierer".

    Nicht das mein Kommentar falsch verstanden wird. Vitali Klitschko hat sehr viel für die Ukraine geleistet. Sein Fehler bestand lediglich darin, dass er sich erstmals in einem ungleichen Kampf auf andere verlassen hat, die dazu nicht befähigt waren.

    Ohne Einmischung von außen wäre er gewiss erfolgreicher gewesen, hätte die Aufmerksamkeit von Putin in dieser Schärfe nicht auf sich gezogen. Das was er jetzt noch tun kann, ist irgendwie einen beiderseits gesichtswahrenden Kompromiss auszuhandeln. Der Preis könnte ein künftiges Stillhalteabkommen zu Lasten des ukrainischen Volkes sein.

    Eine verspielte Chance für das ukrainische Volk, verspielt von westlichen Möchtegern-Politikern.

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