Klitschkos Kampf um die Ukraine : „Ein Schritt zum Sieg“

Klitschkos Kampf um die Ukraine
„Ein Schritt zum Sieg“

Hilfloser Hüne? Der Box-Champion führt die Opposition, doch sein "Helden-Mythos" zerbröselt. Kritiker werfen ihm vor, zu häufig zu zaudern. Er selbst glaubt unerschütterlich daran, auch diesen Kampf zu gewinnen.
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KiewEigentlich hätte Vitali Klitschko an diesem Vormittag allen Grund gehabt, wenigstens ein bisschen entspannter dreinzuschauen. Doch von großer Freude ist in seinem langen, kantigen Gesicht nur wenig zu sehen. Der mehrfach Boxweltmeister im Schwergewicht und heutige ukrainische Oppositionsführer hält sich mit den großen Emotionen zurück.

Am Dienstag früh war der ukrainische Ministerpräsident Nikolai Asarow zurückgetreten, auch sein Kabinett musste nach ukrainischen Verfassung die Ämter niederlegen. Am Nachmittag nahm Präsident Viktor Janukowitsch den Rücktritt Asarows an. Laut Präsidialamt habe der Staatschef das Kabinett angewiesen, bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt zu bleiben. Der Rücktritt des Ministerpräsidenten zieht gemäß der Verfassung den Rücktritt der gesamten Regierung nach sich.

Nach dem Rücktritt von Asarow beschloss das Parlament auf einer Sondersitzung außerdem die Rücknahme der umstrittenen Gesetze, die die Versammlungs- und Meinungsfreiheit drastisch eingeschränkt hätten. Beides waren Minimalforderungen von Klitschko und seinen Mitstreitern, um die monatelangen, zuletzt sehr gewalttätigen Proteste mit mindestens fünf Todesopfern einzustellen. Doch der promovierte Sportwissenschaftler ist klug genug, um nur von einem „Teilerfolg” zu sprechen. „Der Rücktritt ist kein Sieg”, sagt er leise, „sondern nur ein Schritt zum Sieg“. Das gelte auch für die Rücknahme „der diktatorischen Gesetze”.


Tatsächlich fordern Klitschko mit seiner Partei Udar (Schlag), Oleg Tjagnibok von der rechtspopulistischen Swoboda Partei und Arsenij Jazenjuk von der Batkiwschina-Partei der inhaftierten früheren Regierungschefin Julia Timoschenko viel mehr. „Der Präsident muss zurücktreten”, wiederholt der 42-jährige Box-Champion immer wieder.

Und er weiß, dass er mit Teilergebnissen gar nicht erst auf dem Maidan auftauchen braucht. Zu frisch dürfte noch die Erinnerung bei ihm sein, als er vor einer Woche nach Gesprächen mit dem umstrittenen Präsidenten Viktor Janukowitsch mit nahezu leeren Händen auf die große Bühne des Unabhängigkeitsplatzes trat.

„Ihr werdet enttäuscht sein”, räumte er gleich zu Beginn ein und überbrachte dann die mageren Verhandlungsergebnisse. „Schande, Schande”, skandierten auch teilweise seine eigenen Anhänger. Als er wenig später zu den gewaltbereiten Protestlern ging und sie zu friedlichen Protesten aufforderte, bekam er die maßlose Enttäuschung und die aufgestaute Wut hautnah zu spüren. Ein Krawallmacher sprühte ihm Löschschaum ins Gesicht.

Kommentare zu " Klitschkos Kampf um die Ukraine : „Ein Schritt zum Sieg“"

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  • Dieser Klitschko hat den Friedensnobelpreis verdient!
    Er hat es nicht nötig und riskiert sein Leben. Welcher Politiker außer Nelson Mandela und Gandhi kann dass von sich behaupten? Das macht Hoffnung, dass es doch noch eine Änderung am besten auf dem ganzen Planeten geben kann.

  • Sind amerikanische NGO in Proteste in der Ukraine verwickelt?

    Den jüngsten Protesten in der Ukraine haftet der schale Beigeschmack eines vom Ausland inszenierten Versuchs an, die Regierung von Wiktor Janukowytsch zu destabilisieren.

    Janukowytsch hatte sich geweigert, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, durch das ein Keil zwischen Russland und die Ukraine getrieben worden wäre.

    Der zum politischen Guru gewandelte Boxchampion Vitali Klitschko trifft sich mit Vertretern des US-Außenministeriums und unterhält enge Verbindungen zu Angela Merkels CDU-Apparat in Deutschland.
    Dem Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine widersetzen sich auch viele EU-Mitgliedsstaaten, die selbst mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

    Die beiden EU-Vertreter, die sich mit größtem Nachdruck dafür einsetzen, der schwedische Außenminister Carl Bildt und Polens Außenminister Radoslaw Sikorski, sind in der EU für ihre Nähe zu Washington nur allzu gut bekannt. Die USA puschen die Integration der Ukraine in die EU, genauso wie sie schon 2004 hinter der gescheiterten "Orangenen Revolution" gestanden haben.

    Die Absicht ist, die Ukraine von Russland zu trennen und Russland dadurch zu isolieren und zu schwächen. Jetzt fanden Ukrainer Beweise für eine direkte Beteiligung der von den USA finanzierten Belgrader Trainingsgruppe CANVAS an den mit größter Sorgfalt inszenierten Protesten in Kiew.

    Es liegt ein Exemplar des Flugblatts vor, das an oppositionelle Demonstranten in Kiew verteilt wurde und es ist eine wörtliche Übersetzung, mit denselben Bildern, des Flugblatts, das Aktivisten der US-finanzierten Organisation CANVAS 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo verteilten.

    Die damaligen Proteste führten zum Sturz Husni Mubaraks und ebneten den Weg für die von den USA unterstützte Moslembruderschaft!

    Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Westmedien nichts über das Flugblatt?

    Wer steht hinter den gleichgeschalteten Massenmedien?

  • Klitschko feige, ferngesteuert, IQ 45. Punkt. Passt bestens zu Merkel, Rumpoy und so weiter und so weiter ...

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