Knauserer gefragt
Amerikas Sparfüchse

Die Wirtschaftskrise hat sie zu nationalen Vorbildern gemacht: Eingefleischte Knauserer sind in den USA plötzlich gefragte Berater und Medienstars. Ganz vorn rangieren die Tipps von Steve und Annette Economides.

NEW YORK. Steve Economides lebt seine Prinzipien. Wer ihn anrufen will und ihn zufällig auf seinem Mobiltelefon erwischt, den weist er umgehend zurecht: "Bitte rufen Sie auf dem Festnetz an!" Das sei billiger.

Der 51-jährige Amerikaner ist ein Geizhals, und er steht dazu. Er und seine Frau Annette haben fünf Kinder großgezogen und sind dabei mit weniger als 35 000 Dollar pro Jahr ausgekommen. Mit ihrer Art zu wirtschaften machen sie ihrem Namen alle Ehre. Der stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Sohn des Wirtschafters".

Extreme Sparsamkeit prägt bis heute den Lebensstil der Familie, die in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona lebt. Und seitdem die Rezession die globale Wirtschaft erfasst hat, sind die Economides damit Vorbild für die ganze Nation geworden. Kaum eine Talkshow, in der sie noch nicht aufgetreten sind. Sie haben ein Buch geschrieben, "America's cheapest family", das zum Bestseller geworden ist. Zehntausende von Menschen lesen ihre Newsletter.

Mit fast religiösem Eifer demonstrieren die amerikanischen Verbraucher ihre Entschlossenheit, die schlechten Zeiten zu überstehen. In dem Land, in dem in den vergangenen Jahren der Überfluss regierte, wo das Hobby Nummer eins Shopping war und der Durchschnittsamerikaner unbeschwert 10 000 Dollar Kreditkartenschulden aufhäufte, zieht eine neue Bescheidenheit ein.

Der Umgang mit Knappheit war in den USA so sehr in Vergessenheit geraten wie in Deutschland Großmutters Rezepte aus Kriegsjahren. Doch jetzt zwingt die Krise die Amerikaner umzudenken - die Hausbesitzer, deren Immobilie von Monat zu Monat an Wert verliert, die Investoren, deren Altersvorsorge dahingeschmolzen ist, und die Arbeitnehmer, die um ihre Stellen fürchten müssen. Die Arbeitslosenquote hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um fast die Hälfte erhöht. In den USA bedeutet das für viele den Abstieg in die Armut.

Die Menschen müssen jetzt haushalten. Aber viele wissen nicht mehr, wie das funktioniert. Da sind Laien-Berater wie die Familie Economides, die früher nur wenigen eingefleischten Geizhälsen ein Begriff waren, plötzlich Trendsetter und gefragter denn je.

Bei CNN treten sie Ende März in einer Sendung auf, die unter dem Motto "Road to Rescue" steht, Auswege aus der Rezession. "Wie haben Sie es geschafft, Ihr erstes Eigenheim nach neun Jahren abzubezahlen?", fragt die Moderatorin die Economides. "Niemals, niemals den Kreditrahmen ausschöpfen, den die Bank anbietet", sagt Annette Economides und schüttelt dramatisch den Kopf. Mit ihrer knallblauen Bluse und der rundlichen Figur sieht die 48-Jährige aus, wie man sich eine patente Amerikanerin aus der Provinz vorstellt. Mindestens 20 Prozent Eigenkapital einbringen, empfiehlt sie, und ihr Mann nickt heftig.

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