"Kniefall vor den Reichen"
Schweiz schafft sich neue Steueroase

Der Schweizer Kanton Obwalden wagt eine neue Steuerstrategie und bietet damit künftig die niedrigsten Unternehmensteuern in der ganzen Schweiz an. Auch reiche Privatpersonen werden geschont.

ZÜRICH. Der Kanton Obwalden in der Schweiz liegt bislang ein bisschen abseits hinter den Kantonen Zug und Schwyz. Das gilt nicht nur geografisch, sondern auch steuerlich. Schwyz am Vierwaldstättersee und Zug, das sich als Steuerparadies nicht mehr vorstellen muss, haben in den vergangenen Jahren vor allem durch ihre Attraktivität von sich reden gemacht. Selbst eine jener Firmen, die der ehemalige deutsche Kanzler künftig berät, will ihren Sitz dorthin verlegen.

Der Berater und seine Ratsuchenden hätten seit dem vergangenen Wochenende auch nach Obwalden ziehen können, das wie gesagt etwas abseits der Steueroasen liegt und 33 000 Einwohner zählt. Von den Stimmberechtigten, die in Obwalden leben, haben sich am Sonntag 86 Prozent für ein neues Steuergesetz ausgesprochen. Damit wird Obwalden jener Kanton, der künftig die niedrigsten Unternehmensteuern in der ganzen Schweiz anbietet. Auch reiche Privatpersonen werden geschont.

In der Schweiz kann jeder Kanton, die Steuern, die er selbst einnimmt, auch selbst festsetzen. Darüber hinaus gibt es Steuern, die an die Gemeinde fließen und Geld, das der Bund einzieht. Die kantonale Steuer ist allerdings von diesen drei Steuerarten die gewichtigste. Gemeinden und Kantone stehen in fröhlichem Steuerwettbewerb zueinander. Kantonale Wirtschaftsförderer machen gezielt Jagd auf attraktive Steuerzahler und locken sie mit Sonderangeboten. Legendär ist etwa die letztjährige Werbekampagne des Kantons Appenzell-Ausserhoden, der deutschen Steuerberatern einen Bierdeckel mitgab, auf dessen Rückseite die gesamte Jahresteuerrechnung einer fiktiven Person aufgelistet war. Die Steuerberater sollten damit auf Werbefeldzug für den Kanton gehen, dessen Rechnung einfach aussieht: Je mehr Gutbetuchte in einen Kanton ziehen, desto tiefer sinken die Steuern, weil sich die Last der Ausgaben auf viele starke Schultern verteilt.

Natürlich kann so ein Verfahren auch mal zum Bumerang werden, wenn eine dieser starken Schultern zusammenbricht. Als etwa vor vier Jahren der illustre Schweizer Bankier Martin Ebner sein Geschäft verkleinern musste, sah sich seine Wohngemeinde an der „Goldküste“ des Zürichsees gezwungen, die Steuern zu erhöhen. Die EU hat auch schon angeklopft, weil sie Steuerdumping schon immer nicht gut fand.

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