Koalition aus fünf Parteien
Durchbruch bei Regierungsbildung in Belgien

Mehr als sechs Monate nach der Parlamentswahl bekommt Belgien voraussichtlich noch in dieser Woche eine handlungsfähige Regierung. Sie soll nicht nur die Staatsreform vorantreiben, sondern auch dringende soziale und wirtschaftiche Probleme anpacken. Lange halten wird sie jedoch kaum.

HB BRÜSSEL. Bei der Suche nach einer Übergangsregierung in Belgien hat es am Mittwochmorgen einen Durchbruch gegeben. Die Blockadesituation sei überwunden, teilte Premierminister Guy Verhofstadt am Mittwochmorgen mit.

Die Übergangsregierung soll einerseits die Verhandlungen über eine Staatsreform vorantreiben, erklärte Verhofstadt. Zum anderen müsse sie dringende soziale und wirtschaftliche Probleme sowie Umweltfragen anpacken, um den Weg zu Bildung einer endgültigen Regierung im kommenden Frühjahr zu ebnen. Verhofstadts will nach der Niederlage seiner liberalen Partei Open VLD bei der Wahl vom 10. Juni nur noch übergangsweise bis Ostern die Amtsgeschäfte führen.

König Albert II. hatte Verhofstadt am Montag offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem der christdemokratische Wahlsieger Yves Leterme damit zweimal gescheitert war. Am frühen Mittwochmorgen erklärten dann auch die frankophonen Konservativen (cdH) ihre Bereitschaft, in einer Mehrparteienkoalition unter dem bisher kommissarisch amtierenden Verhofstadt mitzuarbeiten.

Damit könnte das Parlament einem solchen Übergangskabinett noch vor Weihnachten das Vertrauen aussprechen, hieß es. Der Übergangsregierung würden demnach fünf Parteien angehören: Die flämischen Christdemokraten CD&V und ihre frankophone Schwesterpartei cdH, Verhofstadts flämische Liberale Open VLD und ihr frankophones Gegenstück MR sowie die Sozialisten (PS) aus dem französischsprachigen Landesteil.

„Es gab den gemeinsamen Willen der Partner, die cdH zu beteiligen“, sagte Parteichefin Joëlle Milquet am Mittwochmorgen. Zuvor hatte der liberale MR von Finanzminister Didier Reynders offenbar seinen Widerstand gegen eine Regierungsteilnahme der kleinen cdH aufgegeben. Vor allem CD&V und PS hatten demgegenüber darauf bestanden, auch die Konservativen aus dem frankophonen Süden des Landes einzubinden.

Der Übergangsregierung sollen 14 Minister angehören, aber keine Staatssekretäre. Der CD&V bekäme vier Ministerposten, MR sowie PS und Open VLD je drei und cdH einen. Alle Parteien sollen Vertreter im sogenannten Kernkabinett – dem engsten Regierungskreis – bekommen, je einen Vize-Premier stellen den Angaben zufolge aber nur CD&V und MR.

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