Koalition der (Un)willigen – Teil II Frankreich
Krieg – na und?

Die Franzosen sind kurz entschlossen, geht es um Krieg: Politische und wirtschaftliche Interessen verteidigt man mit Waffengewalt, das gilt als selbstverständlich. Genauso wie der Kampf gegen die Terrorgruppe IS.
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ParisGeköpfte Bürger, gefolterte Männer, vergewaltigte Frauen: Die Brutalität der IS bringt Europa und Amerika an den Rande eines Krieges. Bisher will kein Land Bodentruppen schicken. Das hat bestimmte Gründe. Denn jeder der betroffenen Staaten hat eine eigene Geschichte des Krieges: Wie entscheiden die Briten? Warum tun sich die Deutschen so schwer? Und wieso haben die Franzosen kein Problem mit dem Krieg? Handelsblatt Online stellt in der Serie „Die Koalition der (Un)willigen“ vor, wie die Staaten zum Krieg stehen.

Frankreich zieht schneller in den Krieg als Deutschland. Ob Nicolas Sarkozys Luftkrieg gegen Libyens Diktator Muammar Kaddafi, Franҫois Hollandes Kämpfe mit Bodentruppen in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik oder jetzt seine Luftangriffe im Irak und bald wohl Syrien gegen die Terroristen vom IS (Da Isch): Immer traf der Staatschef kurz entschlossen seine Entscheidung, informierte erst Tage oder Wochen später das Parlament und konnte sich dennoch der Zustimmung einer großen Mehrheit der Bevölkerung sicher sein.

Dahinter stecken viele Faktoren, die zusammenwirken: Im Zweiten Weltkrieg erst von der Wehrmacht geschlagen und gedemütigt, von den Alliierten beinahe wie feindliches Territorium besetzt, hat das Land unter General de Gaulle großen Wert darauf gelegt, militärisch zu erstarken, auch durch die atomare Bewaffnung, und für sich selber eine Rolle als Mittelmacht mit der Berechtigung zu weltweitem Eingreifen zu definieren. Sechs Jahrzehnte später findet kaum ein Franzose etwas Merkwürdiges daran, wenn der Präsident von der „Berufung des Landes“ spricht, mit Gewalt gegen sicherheitspolitische Herausforderungen wie den IS vorzugehen.

Aufgrund der Kolonialgeschichte ist es für Franzosen eine Selbstverständlichkeit, dass eigene Soldaten in fernen Ländern kämpfen: Früher in den damaligen Kolonien oder „Mandatsgebieten“ Vietnam, Syrien, Libanon oder Algerien, heute in einer Ex-Kolonie wie Mali. Politische und wirtschaftliche Interessen verteidigt man mit Waffengewalt, daran findet keine der großen Parteien, ob Sozialisten oder Konservative, etwas auszusetzen. Heute formuliert man es nur zurückhaltender als noch in den 50er-Jahren.

Weil Frankreich keine Parlamentsarmee kennt und die Nationalversammlung immer erst im Nachhinein einbezogen wird, ist das Land auch keine breiten kontroversen Debatten über den Sinn bewaffneter Einsätze gewöhnt. Hinzu kommt, dass es schon lange keine Wehrpflicht mehr gibt und der Einsatz auch von Bodentruppen nur eine winzige Minderheit von Familien betrifft, deren Kinder oder Geschwister in den Krieg ziehen müssen. Die jungen Franzosen, die dann ihren Kopf hinhalten, sind in vielen Fällen Nachkommen von Migranten, die sich der Armee anschließen, weil sie keine andere berufliche Perspektive sehen.

Kommentare zu " Koalition der (Un)willigen – Teil II Frankreich: Krieg – na und?"

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  • @ Helmut Metz „Materieller Wohlstand und Bildung schützen auch nicht zwangsläufig vor religiösem Fanatismus...“

    Das habe ich auch nicht behauptet, nur wird in D immer so getan als sei dies der alleinige Schlüssel um dieses Problems Herr zu werden. Der bekannteste Fall, das materieller Wohlstand und Bildung nicht gegen religiösen Fanatismus schützen, dürfte Osama bin Ladin gewesen sein.
    Mein Beitrag richtete sich hauptsächlich gegen die Mär, wir als Deutsche seien in der Pflicht, diesen „armen und benachteiligten Migranten“ zu helfen. Nein, sind wir nicht, das können die selbst, auch dann, wenn denen ihr Allah dabei nicht hilft.

    Und daß die Saudis nicht auf der Liste der „Achse des Bösen“ stehen, ist einzig der Tatsache geschuldet, das sehr viele führende amerikanische Familien mit den Saudis glänzende Geschäfte machen, die Familie Bush ist eine von ihnen.

  • @ Jens Muche
    Materieller Wohlstand und Bildung schützen auch nicht zwangsläufig vor religiösem Fanatismus - eine der menschenverachtendsten Richtungen des Islam ist nämlich der Wahhabismus in Saudi-Arabien. Und Sie brauchen auch nicht zu raten, wo die finanziell potentesten Terrorfinanciers beheimatet sind. Der Staat wird übrigens auch nicht auf die Schwarze Liste der "Achse des Bösen" gesetzt sondern auch noch militärisch aufgerüstet - weil die Ölscheichs ja freundlicherweise Erdöl gegen US-Dollar verkaufen.

  • Die Franzosen sind souverän und holen nur für die eigene Elite die Kohlen aus dem Feuer.
    Die Deutschen sollen ganz anderen den Traum vom Welt-Hegemon erfüllen. Die meisten Deutschen wollen noch nicht mal für eigene Feudalherren militärisch aktiv werden, warum dann für andere?!

    Vor allem stinkt es den allermeisten, das von den USA hinterlassene Chaos mit ausbaden zu müssen. Was wurde denn bisher sinnvolles oder positives erreicht mit all den Kriegen im arabischen und afrikanischen Raum?! Hunderttausende Tote, massenhaftes Elend, brutale Tyrannen und Millionen von Flüchtlingen die alle nach Europa wollen. Ich habe auf so eine menschenverachtende Scheiße keinen Bock und bezahlen will ich erst recht nicht dafür, leckt mich!!!

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