Kobane und der Kampf gegen den IS
Wenn die letzte Bastion fällt

Kobane ist mehr als eine Stadt an der türkisch-syrischen Grenze. Es ist ein Symbol. Hier entscheidet sich die Zukunft der ganzen Region. Wie lange wird die Welt den Taten der Terrormiliz IS noch zusehen?
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Das Artillerie-Feuer und die explodierenden Bomben der erbitterten Straßenschlachten sind bis in die Türkei zu hören. Hinter den Grenzzäunen müssen die syrischen Flüchtlinge den drohenden Fall von Kobane mit ansehen. Die Welt blickt auf die Stadt in der syrischen Tiefebene, nur einen Steinwurf von der Türkei entfernt. Aus den weißen, meist unverputzten Betonbauten steigen Rauchsäulen in den blauen Himmel auf. Im Osten der Stadt kontrollieren die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mindestens drei Stadtteile.

Auf einigen Gebäuden sowie einem Hügel außerhalb weht schon die schwarze Flagge der Extremisten. Noch halten die Kurden das Zentrum, melden sogar am Mittwoch zwischenzeitlich, der IS sei zurückgedrängt. Für den Moment scheint der Vormarsch der Islamisten gestoppt, später am Tage heißt es, die Islamisten seien wieder in der Offensive. Fällt die Stadt in die Hände der Terrormiliz, fürchten Hilfsorganisationen und Beobachter, droht ein Massaker an den verbliebenen einigen tausend Einwohnern und kurdischen Kämpfern.

Doch zwischen Kämpfer und Zivilist ist die Grenze in Kobane längst fließend. Augenzeugen, die in Scharen auf die türkische Seite fliehen, berichten, dass selbst junge, kampfunerprobte Frauen in den Krieg gegen den IS ziehen. Sie werden mit Handgranaten ausgestattet und an die Frontlinie geschickt – eine Linie, die sich seit Wochen immer enger von drei Seiten um die einst 100.000-Einwohner-Stadt im Norden Syriens schließt.

Weil der IS den Kurden militärisch haushoch überlegen ist, kämpfen die Einwohner von Kobane mit dem Mut der Verzweiflung und mit einfachsten Waffen gegen die Panzer und Mörser des IS um ihre Stadt. Nun droht ihnen die schwere Munition auszugehen. Fällt Kobane jedoch, wäre das fatal – nicht nur für die Kurden und die Türkei, sondern für die gesamte Weltgemeinschaft. Denn sollte der IS Kobane einnehmen, würde der Westen der Terrororganisation eine Macht zugestehen, die einen Großflächenbrand auslösen könnte.

Seit einem Jahr versucht die Terrormiliz bereits den Ort einzunehmen. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter wurden seit Beginn der IS-Offensive vor drei Wochen mehr als 400 Menschen getötet. „Kobane ist dabei zu fallen“, sagte auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor syrischen Flüchtlingen. Ähnlich äußerste sich das Weiße Haus in Washington. Die USA haben die Stadt offenbar bereits aufgegeben.

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  • Die Kurden sind nur der Testballon. Danach geht es dann einer ganzen Reihe anderer Voelker und Staaten an den Kragen. Der "Grosse Preis" ist natuerlich Saudi-Arabien. Hoffentlich hat deren Armee eine bessere Moral als die irakische die beim ersten Schuss gleich davon laufen. Das Problem ist das IS wohl eine ganze Menge Symphatisanten in der Region hat. Wenn IS nicht gestoppt wird dann kommt der Krieg frueher oder spaeter auch nach Israel und die Tuerkei.

  • Westwelt erntet Fruechte ihrer unverantwortlichen Syrienpolitik
    Fuer den Syrienkrieg wurden viele Aufstaendische vom Westen trainiert,bewaffnet,finanziert,unterstuetzt mit Sanktionen gegen das legitime SyrienAssadRegime,mit Patriotraketen i/d Tuerkei beschuetzt.Viele Isiskaempfer tragen noch ihre schutzsicheren Westen ,geschenkt v Westerwelle.Jetzt hat Gruppe ISIS die
    Ueberhand bekommen,nachdem viele Aufstaendische anderer Gruppen+europaeische Freiwillige ihr zugeflossen waren.Jetzt wird Terror verbreitet ueber mehrere NahOstLaender.Europa kommt spaeter dran.Der Syrienplan in USA entworfen,ueber Nato an die EU-NatoMinister verordnet,kostet EU viele Milliarden von Euros,bringt umheimlich viel Leid+Menschenrechtsverletzungen in den betroffenen Laendern.Der EU-NobelFriedenspreis sollte zurueckgefordert werden+die EU-NatoMinister sofort entlassen.Nato in eine EU-Organisation veraendert,ohne Agressors wie USA,m.a.W. den Brandstifter ausschalten dann gibt es auch keine Braende mehr

  • Sie meinten wohl regime change. Aber ich stimme ihnen zu: Die USA sind dabei den arabischen Raum etwas übersichtlicher zu gestalten und wo gehobelt wird fallen Späne. Mag zwar zynisch klingen, ist aber so und die NATO-Vasallen helfen kräftig mit. Auch die Türkei wird sich über kurz oder lang beteiligen… wenn der Preis stimmt!

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