Kobane weiter umkämpft
Kurden stoppen Vormarsch der IS-Terroristen

Kobane ist hart umkämpft. Doch offenbar haben die kurdischen Kämpfer das Vorrücken der Terrormiliz Islamischer Staat gestoppt. Aber die IS-Extremisten kontrollierten mehr als ein Drittel der Stadt.
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MürsitpinarDie Kurden in der syrischen Stadt Kobane haben den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat nach Angaben von Aktivisten erst einmal gestoppt. Seit Freitag seien die Terroristen nicht weiter vorwärts gerückt, teilte das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte am Sonntag mit. Ein kurdischer Aktivist sagte, es sei am Sonntag abgesehen von vereinzelten Schusswechseln relativ ruhig in dem Ort. Die USA und ihre Verbündeten flogen mehrere Bombenangriffe.

Die IS-Kämpfer hätten am Samstag im Süden der Stadt eine Offensive gestartet, seien aber zurückgeschlagen worden, sagte der kurdische Aktivist Farhad Schami am Telefon. Viele Angreifer seien gefallen oder bei Luftangriffen getötet worden. Kurdischen Kämpfern sei es gelungen, das Grenzdorf Tel Schair westlich von Kobane zurückzuerobern.

Das Beobachtungszentrum berichtete, 36 Dschihadisten seien getötet worden. Der Vorsitzende des Beobachtungszentrums, Rami Abdurrahman, sagte, der IS habe vor Kobane offenbar nicht mehr genügend Kämpfer und warte auf Verstärkungen. Unter anderem schicke er Mitglieder seiner Religionspolizei an die Front. Die IS-Extremisten kontrollierten mittlerweile aber mehr als ein Drittel der Stadt.

Seit Beginn der Kämpfe um Kobane sind dort nach Angaben des Beobachtungszentrums etwa 550 Menschen getötet worden – zirka 300 IS-Angehörige, 225 kurdische Kämpfer und 20 Zivilisten. Die Verluste aufseiten des IS könnten aber deutlich höher sein. Mehr als 200 000 Menschen wurden zur Flucht in die Türkei gezwungen.

Das US-Zentralkommando gab bekannt, Flugzeuge des USA, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate hätten am Wochenende vier Luftangriffe geflogen und dabei eine IS-Stellung und einen Sammelpunkt zerstört.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut zogen Hunderte Kurden vor die Uno-Vertretung. Sie riefen Sprechchöre und forderten Hilfe für die kurdischen Kämpfer in Kobane. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es stünden Tausende Leben auf dem Spiel. „Ich rufe nochmals alle Beteiligten auf, ihre Bemühungen zu verstärken, um ein Massaker zu verhindern und die Zivilisten in Kobane zu schützen“, sagte er.

Am Freitag hatte der IS versucht, einen Grenzübergang zu besetzen und Kobane so vom Nachschub abzuschneiden. Für den IS ist Kobane wichtig, weil die Stadt das Bindeglied ist zwischen seinen Stellungen in der syrischen Provinz Aleppo und seiner Hochburg Rakka. Durch eine Eroberung der Stadt würde zudem der kurdische Widerstand ausgeschaltet und die Terrormiliz erhielte die Kontrolle über ein ausgedehntes Stück der syrisch-türkischen Grenze. Die Kurden in Kobane wehren sich zwar energisch und entschlossen, doch sind sie gegen die schweren Waffen der Extremisten deutlich im Nachteil.

Unterdessen hat das US-Militär inen Ansturm von IS-Kämpfern auf den Flughafen von Bagdad kürzlich mit dem Einsatz von Apache-Kampfhubschraubern verhindert. Die Extremisten seien nur 24 Kilometer entfernt gewesen und hätten die irakischen Truppen zu überrennen gedroht, sagte der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey am Sonntag in der ABC-Sendung „This Week.“

Mit Blick auf den Kampf gegen die Terrormiliz in Syrien brachte er eine mögliche Flugverbotszone über dem Bürgerkriegsland ins Spiel. In der Zukunft könnten es die Umstände erfordern, dass eine solche Maßnahme Teil der Militärkampagne sein werde.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Da sehen wir täglich wie die türkischen Panzer an der Grenze zu Syrien stehen und zuschauen wie dort ein Massaker abgehalten wird!

    Gibt es noch einen besseren Beweis dafür, was für ein falsches Spiel die Türkei spielt!

    Wie kommen die dazu den Kurden zu verbieten nach Kobane zu gehen und dort mit ihren Kameraden gegen die IS zu kämpfen?

    Das alleine sagt alles aus! Die Türkei war und ist immer noch Unterstützer der IS! Warum wohl wird der kleine Posten von Türken, die in Syrien ein Denkmal bewachen, nicht angegriffen?????????

    Auch, dass die Menschen die geflohen sind nicht unterstützt werden ist schon mehrfach in Berichten zu hören gewesen!

    Wo bleibt die Unterstützung aus Deutschland für die Flüchtlinge vor Ort?

  • Kobane ist noch kurdisch
    -----------
    Die Terrormiliz IS kontrolliert zwar 40% von Kobane, konnte aber am Sonntag nicht weiter vorrücken.
    Um die Schlacht für sich zu entscheiden, habe der IS Kämpfer aus den Provinzen Rakka und Aleppo abgezogen und nach Kobane beordert.

    Mittlerweile sind viele Zivilisten aus Kobane in die Türkei geflohen. Dort leben sie in Zelten und von der Unterstützung durch Hilfsorganisationen. Von der Trkei erhalten sie keinerlei Unterstützung.

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