Köhler: „Ich verneige mich in Scham und Demut“
Die Rede des Bundespräsidenten in Auszügen

Bundespräsident Horst Köhler hat am Mittwoch in einer auf Deutsch gehaltenen Rede vor der Knesset in Jerusalem die Verantwortung für den Holocaust als Teil der deutschen Identität bezeichnet.

HB JERUSALEM. Wir dokumentieren Auszüge aus seiner Rede:

„...Ich möchte, dass Israel und Deutschland den Weg in die Zukunft weiter gemeinsam gehen. ...Die Verantwortung für die Schoah ist Teil der deutschen Identität. Dass Israel in international anerkannten Grenzen und frei von Angst und Terror leben kann, ist unumstößliche Maxime deutscher Politik. ...Deutschland steht unverbrüchlich zu Israel und seinen Menschen.

...Die Gesichter der Opfer dürfen uns nicht verlassen. Wir müssen sicherstellen, dass die Lehren von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, und wir alle müssen begreifen, dass uns die Opfer der Schoah einen Auftrag geben: Nie wieder Völkermord zulassen. ...Ich verneige mich in Scham und Demut vor den Opfern und vor denen, die ihnen unter Einsatz ihres Lebens geholfen haben.

...Deutschland hat sich den Verbrechen der Vergangenheit gestellt. ...Auch die Generationen, die nach dem Krieg geboren sind, wissen, dass die Jahre der Naziherrschaft ein nie auslöschbarer Teil der deutschen Geschichte sind. Sie haben selbst keine Schuld auf sich geladen. Aber sie wissen, dass sie Verantwortung tragen für die Bewahrung der Erinnerung und die Gestaltung der Zukunft.

...Die Würde des Menschen zu schützen und zu achten ist ein Auftrag an alle Deutschen. Dazu gehört, jederzeit und an jedem Ort für die Menschenrechte einzutreten. Daran will sich die deutsche Politik messen lassen.

...Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind nicht aus Deutschland verschwunden. Vergleiche, die die Schoah verharmlosen, sind ein Skandal, dem wir uns entgegenstellen. Wir müssen die politische Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten und Antisemiten suchen, und wir müssen sie offensiv führen. ...Den Kampf gegen den Antisemitismus müssen wir immer neu führen. Er geht uns alle an.

...Mein Besuch steht im Zeichen des 40. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Staat Israel und der Bundesrepublik Deutschland. Zwischen Deutschland und Israel kann es nicht das geben, was man Normalität nennt.

...Die Zukunftspartnerschaft zwischen Deutschland und Israel wird sich nur in einem friedlichen Umfeld voll entfalten können. ...Der Frieden hat eine neue Chance. ...Frieden schließen können nur Israelis und Palästinenser selbst, und sie können es nur gemeinsam tun.

...Ich glaube fest an einen Nahen Osten, in dem Israel und ein palästinensischer Staat friedlich zusammen leben. ...Warum soll im Nahen Osten nicht gelingen, was in Europa möglich war: Freundschaft zwischen den Erzfeinden Deutschland und Frankreich, der Fall der Mauer, die Überwindung der Teilung Europas. Ben Gurion wird der Satz zugeschrieben: „Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“ Wir brauchen solche Realisten gerade jetzt. ...Dann kann Wirklichkeit werden, was heute noch als Utopie erscheint: Frieden im Nahen Osten.“

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