König Abdullah
König Abdullah: Der Monarch als Versöhner

Der saudische König Abdullah will den Nahen Osten versöhnen. Außenpolitisch geht das Staatsoberhaupt darum auf Schmusekurs: Einerseits will er das Land nach Westen öffnen und gleichzeit die arabische Welt einen. Dazu gehört für ihn auch ein neuer Kurs gegenüber Syrien.
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RIAD. Als der saudische König Abdullah vor zwei Wochen Staatschefs aus aller Welt nach Dschiddah eingeladen hatte, galt sein Augenmerk vor allem einem: dem syrischen Präsidenten Bashar Assad. In dieser Woche reist der Monarch zu einem mehrtägigen Besuch nach Damaskus. "König Abdullah ist extrem besorgt über das iranische Atomprogramm und will Syrien aus der strategischen Partnerschaft mit Teheran loseisen", sagt Mustafa Alani vom Gulf Research Centre, einer unabhängigen Denkfabrik in Dubai. Das Mullah-Regime gilt als der große politische Gegenspieler der Saudis in Nahost.

Der Schmusekurs ist relativ neu. Jahrelang herrschte Eiszeit zwischen Riad und Damaskus. Assads offene Unterstützung für die schiitische Hisbollah im Libanon und die radikale Hamas im Gazastreifen ärgerte die Saudis, die eine Stärkung extremistischer Gruppierungen im eigenen Land befürchteten.

Die Rolle des Versöhners liegt König Abdullah wesentlich mehr als die des Spalters. 2002 hatte er die Regierung in Jerusalem mit einer großen Friedensinitiative ins Boot holen wollen: Israel sollte sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen und dafür volle diplomatische Beziehungen mit allen arabischen Staaten bekommen. Doch der Vorstoß verpuffte. Seit US-Präsident Barack Obama für einen diplomatischen Durchbruch im Nahen Osten kämpft, legt sich König Abdullah besonders ins Zeug. "Er will die Araber einen", sagt einer, der ihn kennt.

Der 85-Jährige verfügt über politische Erfahrung wie kaum ein anderer. Zwar wurde er erst 2005 zum König gekürt, doch die Staatsgeschäfte führt er de facto bereits seit 1995, nachdem sein Vorgänger Ibn Saud einen Schlaganfall erlitten hatte. 1962 übernahm Abdullah die Leitung der Nationalgarde. Seit frühester Jugend fühlt er sich zum Stammesleben der Beduinen hingezogen.

Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist die größte Herausforderung Abdullahs. Im Februar berief er erstmals eine Frau ins Kabinett; Experten priesen das als Meilenstein. In der frisch eingeweihten King Abdullah University of Science and Technology sollen männliche und weibliche Studenten gemeinsam Vorlesungen besuchen bedürfen - auch das ein Novum im Land. Als der Geistliche Scheich Saad Al-Schethri diesen Schritt als liberale Entgleisung geißelte, warf ihn der König prompt aus dem Rat für große Islam-Gelehrte. "Das Land", mutmaßt ein deutscher Unternehmer in Riad, "wird sich unter Abdullah weiter behutsam öffnen".

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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