König soll Palast verlassen
Nepal beendet Monarchie

Nach fast 240 Jahren ist die Monarchie im Himalayastaat Nepal wieder abgeschafft worden. Die verfassungsgebende Versammlung erklärte das Land fast einstimmig zur Republik. Damit ist eineinhalb Monate nach der Wahl eine der Hauptforderungen der Maoisten erfüllt. Der König muss nun seinen Palast verlassen.

HB KATHMANDU. Einen Tag nach der Abschaffung der 240 Jahre alten Monarchie in Nepal ist die Königsflagge am Palast in Kathmandu eingeholt und durch die Nationalflagge ersetzt worden. In den Straßen der nepalesischen Hauptstadt jubelten die Menschen, als der Beschluss der verfassungsgebenden Versammlung bekannt wurde. Überall waren Feuerwerkskörper zu hören. Gruppen junger Männer riefen „Lang lebe die Republik!“, König Gyanendra nannten sie einen Dieb.

„Die Menschen in Nepal haben den Autokraten Gyanendra besiegt, Nepal ist jetzt eine Volksrepublik“, sagte ein Anhänger der Maoisten, Gopal Thapa, die die meisten Sitze in der Versammlung haben. Sie werden vermutlich auch die erste Regierung der neuen Republik stellen und ihren Führer Prachanda zum Ministerpräsidenten machen.

Gyanendra musste vor zwei Jahren seine königliche Diktatur beenden und demokratische Reformen in Nepal zulassen, das seit mehr als zwei Jahrhunderten von seiner Dynastie regiert wurde. Im Gegenzug beendeten maoistische Guerillas ihren zehnjährigen Untergrundkrieg. Sie forderten seit Jahren die Abschaffung der Monarchie. Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung im vergangenen Monat errangen die ehemaligen Rebellen einen deutlichen Sieg.

Den Rückhalt in der Bevölkerung für die einstigen maoistischen Rebellen zeigten die vielen roten Fahnen bei Kundgebungen in der Hauptstadt. Teilweise kamen die Demonstranten dem Versammlungsort zu nahe, weshalb die Polizei Tränengas einsetze. Insgesamt rund 10 000 Polizisten waren im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen.

In den vergangenen Tagen wurden Forderungen laut, König Gyanendra sofort aus dem Palast zu jagen, notfalls mit Gewalt. Um eine solche Eskalation zu vermeiden, wollte man dem König nun offenbar noch mehr Zeit geben.

Nepalesische Medien berichteten, König Gyanendra und seine Familie hielten sich weiterhin im Palast auf. Die Regierung hat dem Monarchen 15 Tage Zeit gegeben, den Palast zu räumen. Erwartet wurde, dass er der Anordnung Folge leistet.

Gyanendra hat sich bislang nicht zum Ende der Monarchie geäußert, gegen deren Abschaffung aber auch keinen Widerstand geleistet. Der König hatte vor kurzem durch Vertraute mitteilen lassen, auch nach Ausrufung der Republik in Nepal bleiben zu wollen.

Innenminister Krishna Prasad Sitaula hatte am Mittwoch vor der verfassunggebenden Versammlung gesagt, der König werde künftig ein gewöhnlicher Bürger sein. Die Maoisten, die den Regierungschef der neuen Übergangsregierung stellen werden, hatten verkündet, Gyanendra dürfe bleiben, wenn er sich an die Gesetze halte.

Die Abgeordneten der verfassunggebenden Versammlung hatten am Mittwochabend fast einstimmig für das Ende der Monarchie und die Ausrufung der Republik gestimmt. In Südasien verbleibt nun als letztes Königreich Bhutan.

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