Königliche Anweisung
Saudi-Arabien will Frauen das Autofahren erlauben

Frauen dürfen im ultrakonservativen Königreich in der Öffentlichkeit wenig – auch nicht Autofahren. Das will der König nun mit einem Erlass ändern. Allerdings ist Geduld angebracht.
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RiadSaudi-Arabien will Frauen ab dem kommenden Sommer erstmals ans Steuer von Autos lassen. Einer Anweisung von König Salman zufolge sollen sowohl Männer als auch Frauen Führerscheine erhalten, wie die amtliche Nachrichtenagentur SPA und das staatliche Fernsehen am Dienstagabend berichteten. Ein Komitee werde sich um die Umsetzung der Anweisung kümmern, hieß es. Sie soll im Juni 2018 in Kraft treten. Im Ausland wurde die Ankündigung gelobt, US-Präsident Donald Trump würdigte die Entscheidung als positiven Schritt.

Die Rechte und Möglichkeiten von Frauen in Saudi-Arabien würden so beworben, teilte das Presseamt des Weißen Hauses mit. Auch das US-Außenministerium erklärte, dies sei ein Schritt in die richtige Richtung. Prinz Chaled bin Salman, Saudi-Arabiens Botschafter in Washington und ein Sohn des Königs, sagte, die Gesellschaft in seinem Land sei bereit zur Öffnung. „Es ist die richtige Zeit, um das Richtige zu tun“ sagte er mit Blick darauf, dass Frauen künftig Führerscheine ohne die Erlaubnis eines männlichen Verwandten erhalten dürfen.

Das ultrakonservative Königreich war bislang weltweit das einzige Land, in dem Frauen Autos nicht selbst steuern durften. Wer dem Verbot trotzte, wurde festgenommen. Frauenrechtsaktivistinnen kämpfen seit den 1990er Jahren für das Recht aufs Autofahren. Manche einflussreiche Geistliche hatten vor einem solchen Schritt gewarnt, da er in ihren Augen die Gesellschaft korrumpieren und zu sündhaftem Verhalten führen würde.

Bislang mussten sich Frauen von männlichen Verwandten zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren lassen. Wohlhabendere Frauen konnten sich Fahrer leisten. In jüngster Zeit wurden zunehmend auch Fahrdienste wie Uber genutzt. Zudem erlaubte das Königreich Frauen die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London und Rio de Janeiro, außerdem gab es ihnen vor zwei Jahren das Recht, bei Gemeindewahlen kandidieren und abstimmen zu dürfen. Zum Nationalfeiertag in diesem Monat durften Frauen zum ersten Mal das bislang für Männer reservierte größte Stadion von Riad aufsuchen.

Eine der bekanntesten Frauenrechtsaktivistinnen Saudi-Arabiens lobte die Entscheidung vom Dienstag. Per Telefon sagte Asisa Jusef, Professorin an der König-Saud-Universität in Riad, der Nachrichtenagentur AP, sie sei aufgeregt. Dies sei ein guter Schritt vorwärts. Frauen wollten die Vormundschaft der Männer nun weiter angehen, etwa in Fragen der Ehe, des Reiserechts sowie bei der Beantragung eines Reisepasses.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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