"Können diesen Konflikt ewig weiterführen"
Nahost: Neuer Gewaltverzicht in weiter Ferne

Der führende Hamas-Vertreter Abdel Asis el Rantissi sieht nach eigenen Angaben zurzeit keine Chance für einen neuen Gewaltverzicht radikaler Palästinenser- Gruppen. „Israel hat unsere Initiative nicht respektiert“, sagte Rantissi am Sonntagabend der Nachrichtenagentur Reuters in Gaza-Stadt. „Wir kehren also wieder zum Ausgangspunkt zurück.“

Reuters GAZA-STADT. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon habe geglaubt, die Hamas sei schwach. Dies sei ein Fehler gewesen. „Glauben Sie mir, wir können diesen Konflikt ewig weiterführen“, sagte Rantissi. Er sprach mit Reuters kurz bevor israelische Kampfhubschrauber vier Mitglieder der Hamas töteten. Diese setzt sich für die Zerstörung Israels ein und ist für zahlreiche Selbstmordanschläge verantwortlich.

Als Teil des Nahost-Friedensplans hatte die Hamas wie auch andere radikale Palästinenser-Organisationen am 29. Juni einen dreimonatigen Gewaltverzicht ausgerufen. Trotzdem war es auf beiden Seiten immer wieder zu Angriffen gekommen. Vergangene Woche waren bei einem Selbstmordanschlag eines Hamas-Anhängers in Jerusalem 21 Israelis getötet worden. Am Donnerstag tötete Israel als Teil einer größeren Vergeltungsaktion den hochrangigen Hamas-Vertreter Ismail Abu Schanab. Daraufhin hatte Hamas die Waffenruhe aufgekündigt.

„Israel wird den Preis für dieses Verbrechen zahlen“, sagte Rantissi zu der Tötung Schanabs. Eine neue Waffenruhe sei nur denkbar, wenn Israel sich vollständig aus den Palästinenser- Gebieten zurückziehe. Mit dem Gewaltverzicht seien Gruppen wie die Hamas der israelischen Regierung entgegen gekommen. Israel sei jedoch weiter in palästinensische Städte eingerückt, um nach deren Mitgliedern zu suchen. Dabei seien 17 Palästinenser getötet und 192 verletzt worden, sagte Rantissi. Anschläge der Hamas während dieser Zeit - darunter zwei Selbstmordattentate - bezeichnete er als isolierte Vergeltungsanschläge, die keine Bedeutung für den Gewaltverzicht gehabt hätten.

Rantissi tat eine Anweisung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zum Vorgehen gegen Gruppen wie Hamas als bedeutungslos ab. „Ich glaube nicht, dass sie es wagen werden“, sagte er. „Glauben Sie mir, eine einzige Aktion gegen uns und die Palästinenser-Regierung wird dem palästinensischen Volk, den Massen gegenüber stehen.“ Umfragen zufolge sind Gruppen wie die Hamas bei den Palästinensern höher angesehen als die Regierung. Deren Gespräche mit Israel im Rahmen des Friedensplans werden von vielen Palästinensern als sinnlos und erniedrigend empfunden. Zur Beisetzung von Schanab waren zehntausende Palästinenser erschienen und hatten die Regierung beschimpft.

Auch Rantissi selbst war vor zwei Monaten das Ziel eines Angriffes von israelischen Kampfhubschraubern gewesen. Am Sonntag zeugte sein Humpeln von den Folgen des Raketenangriffs. „Wir alle warten darauf, getötet zu werden“, sagte er über sich und andere hochrangige Hamas-Mitglieder. „Aber ich mache mir keine Gedanken um mein Leben.“ Die Tötung ihrer Anführer werde keine Auswirkungen auf die Hamas als Ganzes haben, sagte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%