Kofi Annan verlässt die Uno
Der hilflose Gentleman

Kofi Annan zelebriert in dieser Woche seinen letzten großen Auftritt. Da will der 68-Jährige noch einmal seine Vision verkünden: Frieden, Freiheit und Wohlstand auf Erden. Dann verlässt der rastlose Generalsekretär die Uno-Bühne nach zehn Jahren – seine Ziele hat er nicht erreicht.

NEW YORK. Energisch schreitet Kofi Annan auf den kleinen Mann zu. Der Uno-Generalsekretär greift die Hand des Gegenübers, schüttelt sie elegant. Gleichzeitig fixiert Annans Silberblick das haarige Gesicht des anderen. Der grinst linkisch. Die beiden murmeln Begrüßungsfloskeln. Im Hintergrund des plüschigen Saals strahlen Vorhänge in Hellblau, der Farbe der Vereinten Nationen.

Der Uno-Chef belehrt mit sanfter Stimme: Der Iran müsse die umstrittene Urananreicherung aufgeben. Mahmud Ahmadinedschad, Irans Präsident, reagiert ungestüm. Er schwadroniert lieber über den Untergang der USA. Von Einlenken im Atom-Disput keine Spur. Später wird Annan mit treuem Blick behaupten: „Die Gespräche waren hilfreich.“

Das Treffen in Teheran war Teil der Tempo-Tour Annans durch die Krisenregion Naher Osten: Libanon, Ramallah, Israel, Jordanien, Syrien, Katar, Saudi-Arabien. Danach jettete Annan nach Kuba. Morgen dann wird der rastlose Generalsekretär seine letzte große Gala vor der Welt zelebrieren: seine Abschiedsrede in der Uno-Vollversammlung. Da will der 68-Jährige den versammelten Top-Politikern wieder seine Vision verkünden: Frieden, Freiheit und Wohlstand auf Erden. Annan gibt noch einmal den Geduldigen, den Galanten, den Guten. Ende Dezember verlässt er die Uno-Bühne.

Sein Harmoniestil brachte dem ersten Mann der Vereinten Nationen 2001 den Friedensnobelpreis ein, Afghanistans Präsident Hamid Karsai huldigte ihm als „Präsident der Welt“, und Annans Frau Nane wähnt ihren Kofi auf einer höheren Stufe der menschlichen Existenz.

Erstaunlich ist der Rummel um Annan schon. Trotz einiger Erfolge: Mit seiner Person sind eher Skandale, Schlappen und Tragödien verbunden. Der Mann hinterlässt eine Organisation, die von seinen hehren Zielen weit entfernt ist. Annan wird wohl dem ersten Uno-Generalsekretär Trygve Lie Recht geben, der über die Arbeit an der Uno-Spitze sagte: „Es ist der unmöglichste Job der Welt.“ Denn ohne Zustimmung der zerstrittenen Mitglieder kann der Uno-Chef kaum etwas bewegen.

So bleibt Annan auch wolkig, wenn er seine Errungenschaften nennen soll. Auf Armut und die ökonomische Entwicklung habe man sich in den vergangenen Jahren konzentriert, sagt er. Unter seiner Ägide verkündeten die Vereinten Nationen die Jahrtausend-Entwicklungsziele. Die Habenichtse im Süden sollen am Wohlstand teilhaben, Regierungen sollen Seuchen und Krankheiten niederringen, und die Tore der Bildungsanstalten sollen sich für alle öffnen.

Seite 1:

Der hilflose Gentleman

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%