Kohleindustrie im Aufwind
Australien gegen den Rest der Welt

Das von den G7-Chefs ausgerufene Zwei-Grad-Ziel könnte an Australien scheitern. Die klimawandelskeptische Regierung baut die Kohleindustrie massiv aus – und lässt sich dabei von einem ehemaligen Deutsch-Banker beraten.
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CanberraEigentlich waren die vergangenen Tage für die australische Regierung eine Public-Relations-Katastrophe. Erst musste sich das Land bei der Uno-Klimakonferenz in Bonn 36 peinliche Fragen zu seiner Klimapolitik anhören. Dann warf Ex-Uno-Chef Kofi Annan Australien vor, das Land sei in Sachen Kampf gegen Klimawandel ein „Trittbrettfahrer“. Schließlich erinnerte Ex-„Terminator“ und Gouverneur Arnold Schwarzenegger den australischen Premierminister Tony Abbott, dass erneuerbare Energien gerade im sonnenverwöhnten Australien „großen wirtschaftlichen Sinn“ machten.

Und am Montag kam der Entscheid von G7, die globale Wirtschaft bis 2100 zu „dekarbonisieren“. Denn: Fossile Rohstoffe haben nur noch begrenzte Lebenszeit. Allem voran Kohle. Doch der „Klimakiller“ ist nicht nur eines der wichtigsten Exportprodukte Australiens. Das Land hat noch für mindestens 300 Jahre Vorräte im Boden. Das Land generiert 88 Prozent der Energie mit fossilen Brennstoffen – einer der Gründe, weshalb der Antipodenstaat unter den Industrieländern regelmäßig pro Kopf der Bevölkerung am meisten Klimagase in die Atmosphäre pumpt.

„Tony Abbott ist da wie Wladimir Putin“

Doch die Meldungen aus Bonn und Bayern dürften Canberra kaum alarmiert haben. „Abbott wird die Kritik als Ehre empfinden“, so ein langjähriger Beobachter am Dienstag, „er ist in dieser Beziehung wie Wladimir Putin“. Die Regierung wird jedenfalls kaum von ihrem strikten Kurs abweichen, in ihrer Wirtschaftspolitik voll auf Kohle zu setzen – trotz Warnung von Experten.

„Kohle ist gut für die Menschheit“, so Tony Abbott im letzten Jahr beim Besuch einer Mine. Wenn es um Maßnahmen gegen den Klimawandel geht, schwimmt die Abbott-Regierung seit 2013 gegen den Rest der Welt. Departemente, die sich mit Klimaforschung beschäftigen, wurden kurz nach Amtsantritt der Konservativen gestrichen, Wissenschaftler zu Hunderten entlassen oder versetzt. „Wir verlieren eine ganze Generation von Experten – ein ,Brain Drain' von historischem Ausmaß“, klagt ein Klimaforscher am staatlichen Institut CSIRO gegenüber dem Handelsblatt.

Eine Steuer auf „Supergewinne“ von besonders energieintensiven Rohstoffunternehmen wurde von Abbott ebenfalls gestrichen. Und schließlich schaffte Australien als einziges Land der Welt ein kurz zuvor eingeführtes, gut funktionierendes Emissionshandelssystem wieder ab.

Die Folge: Neun Monate später waren die CO2-Emissionen 1,6 Prozent höher. Und jüngst reduzierte Australien sein bisheriges Ziel für die Produktion erneuerbarer Energien. Statt auf 41.000 Gigawattstunden pro Jahr soll die Produktion aus Solar-, Wind und anderen erneuerbaren Quellen bis 2020 nur noch auf 33.000 Gigawattstunden ansteigen.

Die Begründung: Selbst mit dieser Rückstufung werde die Vorgabe überschritten, bis 2020 mindestens 20 Prozent der Energie aus Erneuerbaren zu produzieren, so Umweltminister Greg Hunt.

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  • Klimawandel - CO2-Ausstoss usw.
    Ich kann es nicht mehr hören.
    Dass wir unserer Erde ordentlich umgehen, ist logisch.
    Aber seit die Erde besteht, hat sich das Klima gewandelt. Wo wir heute leben, waren früher Eisberge.
    Diese überzogene Klima-Hysterie kann ich nicht mehr hören
    Vielleicht kommt der Tag, an dem wir die Kohle mit den Händen ausbuddeln um es warm zu haben

  • @G Nampf: Das Problem Atommüll ist sehr leicht lösbar. Wir haben in Deuschland riesige Endlagerstätten für chemischen Giftmüll, siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Untertagedeponie_Herfa-Neurode. Allein Herfa Neurode hat eine Kapazität von 200 000 Tonnen pro Jahr. Ein Kernkraftwerk produziert pro Jahr etwa 50 Tonnen. Wenn man dort den gesamten deutschen Atommüll einlagern würde, würde das eingelagerte Volumen nur unmerklich ansteigen.
    Die Endlagerstätte in Herfa Neurode betreibt auch Recycling. Was früher als Müll deklariert wurde, kann man heute oder morgen wieder als Rohstoff verwenden. Dies wird auch mit dem Atommüll passieren. Schon heute lässt er sich aufbereiten. Nur ist das momentan noch ziemlich teuer. Die Technik schreitet aber voran - das sollte man nicht vergessen!

  • Zitat:
    "Pro Flächeneinheit ist Deutschland das Land mit dem größten Ausstoß an Treibhausgasen."

    Tja, woran mag das liegen? An den SUV-fahrenden Bürgern, oder an dem Umstand, dass Deutschland eines der führenden Industrieländer ist und die hohen Strompreise noch nicht jeden energieintensiven Betrieb ins Ausland gejagt haben?

    Klimatechnisch ist Deutschland trotzdem ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe des globalen CO2-Ausstosses. Unser schönes Ländle kommt an Emissionen von rd. 0,9 MRD Tonnen pro Jahr - bei einem Weltweiten Ausstoß von über 35 MRD Tonnen. Und wenn Gabriel sich mit seiner Kohleabgabe durchsetzt und tatsächlich 22 Mio Tonnen einsparen würde (was er nicht tut, da dann die CO2-Zertifikate anderswo in der EU in eine thermische Verwertung gebracht würden) dann wäre dies natürlich eine gigantische Heldentat für das globale Klima! :-D :-D...Was an der Stelle übrig bleiben wird, sind die 4,3 MRD Euro Kohleabgabe, die dann der verdutzte Bürger wieder zahlen darf - wir haben ja dann noch so ein paar finanzielle Großbaustellen in Europa. Und die müssen (pst. wegen der Wahlen) indirekt, d.h. auf Umwegen finanziert werden.

    Wollte man hier in Deutschland was für das globale Klima tun, dann wäre die Bekämpfung weltweier Kohlebrände, vor allem im 10- MRD-Tonnen-emittierenden China wohl die effektivere Massnahme.

    http://www.pbl.nl/sites/default/files/cms/publicaties/PBL_2014_Trends_in_global_CO2_emisions_2014_1490_0.pdf

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