Kohlendioxid-Ausstoß
Im Elfenbeinturm von Asheville

Die gute Nachricht: US-Präsident George W. Bush hat in seiner Jahresansprache im Januar das Thema Klimawandel aufgegriffen und als Problem definiert. Wenige Autofahr-Minuten vom Dienstsitz der wichtigsten US-Klimaexperten entfernt wird das Problem jedoch schlicht ignoriert.

ASHEVILLE. Als Bill Phipps gefragt wird, wieviel CO2 sein Kraftwerk ausstoßen darf, stockt der stämmige Manager irritiert. Dann sagt er: „Es gibt keine Regelungen für CO2-Emissionen – es gibt da nichts einzuhalten.“ Der US-Bundesstaat North Carolina reguliert zwar viele Schadstoffe, doch nicht das für die Erderwärmung entscheidende CO2. Das Kohlekraftwerk Progress Energy in Asheville kann Kohlendioxid emittieren, soviel es will.

Dabei müsste Phipps nur wenige Minuten fahren, um im National Climatic Data Centers (NCDC) zu erfahren, welchen Anteil CO2 an der Erderwärmung hat. Dort sitzt ein Gutteil der US-Klimaelite über der weltweit größten Menge an Wetter- und Klimadaten. Doch während die Wissenschaftler eine Studie nach der anderen über den Klimawandel verfassen und auch am Report des Weltklimarates mitgeschrieben haben, geht im Kraftwerk nebenan alles seinen gewohnten Gang.

Möglich macht dies der Flickenteppich bei den US-Umweltgesetzen. Es gibt kein Bundesgesetz, das Emissionen einheitlich regelt. So kann Kraftwerksmanager Phipps einiges vorweisen: Den neuen Abluftwäscher für Schwefel oder den Katalysator zur Reduzierung von Stickoxid. Rund 200 Mill. Dollar hat diese Technik gekostet. Doch einen CO2-Filter hat das Kraftwerk nicht.

Dabei bestreitet das aus Staatsgeldern finanzierte NCDC nicht, dass die Erderwärmung etwas mit menschlichem Handeln zu tun hat: „Die Ergebnisse sind eindeutig“, sagt der Wissenschaftler David Levinson. „Es gibt ‚global warming' und die Menschen befördern das.“ Aber wenn es um die Konsequenzen dieser Erkenntnisse geht halten sich die Experten zurück. „Wir bereiten die Fakten so gut auf wie wir können“, sagt der Chef des NCDC, Tom Karl. „Aber es ist nicht unsere Aufgabe zu beurteilen, ob etwa das Kyoto-Protokoll angenommen werden soll oder nicht.“

Mehrmals im Jahr werde er nach Washington gerufen und dort vom Präsidenten und dessen Beratern zum Klimawandel befragt, sagt Karl: „Wir emittieren so viel CO2 wie noch nie.“ Das kann er aus den 2 100 Terabytes an Daten ablesen, die in den Kellern seines Instituts lagern. „Dann sagen wir dem Präsidenten, was passieren kann, wenn das so weitergeht.“ Danach fährt Karl zurück in seinen Elfenbeinturm nach Asheville. „Alles andere ist nicht unsere Sache.“

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