Kohlendioxid-Reduktion
Klimabericht facht Kernkraft-Debatte neu an

Der dritte Teil des Uno-Klimaberichts entfacht die Debatte über die Rolle der Kernkraft in Deutschland neu. Der Bericht, der in Bangkok präsentiert wurde, unterstreicht die Bedeutung der Atomkraft im Kampf gegen den Klimawandel - eine Steilvorlage für jene, die die deutschen Kernkraftwerke länger laufen lassen wollen.

BERLIN/BANGKOK. „Wir kommen nicht daran vorbei, die Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Nur auf diesem Wege gewinnen wir die Zeit, die wir benötigen, um ganz auf eine CO2-freie Energieversorgung umzustellen“, sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Handelsblatt. Kemfert hat am dritten Teil des Uno-Klimaberichts mitgearbeitet.

Die frühere rot-grüne Bundesregierung hatte sich im Juni 2000 mit den Energieversorgern auf den Ausstieg aus der Atomenergie geeinigt. Im Ausstiegsbeschluss werden jedem Kernkraftwerk bestimmte Reststrommengen zugewiesen. Sobald ein Kraftwerk seine Strommengen produziert hat, erlischt die Betriebserlaubnis. Das letzte Atomkraftwerk geht demnach voraussichtlich 2021 vom Netz. Die Kernkraftwerksbetreiber EnBW und RWE haben allerdings Anträge gestellt, mit denen sie längere Laufzeiten für ihre Anlagen erwirken wollen.

Kemfert schlägt vor, die Laufzeit der deutschen Kraftwerke um 15 bis 20 Jahre zu verlängern. Allerdings sieht sie keine Renaissance der Atomkraft. „Es muss klar sein, dass es sich dabei nur um eine Brückentechnologie handelt. Langfristig müssen wir auf den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz setzen“, sagte Kemfert.

Ähnlich argumentiert Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie sagte der Passauer Neuen Presse, die Atomenergie werde gebraucht, „solange wir nicht genügend Energie einsparen und fossile sowie erneuerbare Energiequellen nicht ausreichen“. Zwar habe Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärt, dass Atomkraft nicht die Antwort auf den Klimawandel sei, sagte Schavan. Es habe aber noch niemand eine Antwort darauf gegeben, ob sich die Klimaziele ohne Kernkraft erreichen ließen. Die große Koalition streitet seit Monaten über das Thema. Die SPD pocht auf den Atomausstieg, die Union will längere Laufzeiten.

Der Präsident des Kernenergie-Lobbyverbandes Deutsches Atomforum, Walter Hohlefelder, sagte, Deutschland begebe sich mit seiner Ausstiegsposition in eine Sackgasse. „Wir müssen uns entscheiden. Entweder wir bleiben beim Ausstieg. Dann verfehlen wir die Ziele zur CO2-Reduktion mit Sicherheit. Oder wir revidieren den Beschluss. Dann haben wir realistische Chancen, die Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte Hohlefelder, im Hauptberuf Mitglied des Vorstands von Eon Energie. Hohlefelder geht davon aus, dass Deutschland mit wachsendem Widerstand innerhalb der EU rechnen muss: Es könne den anderen Mitgliedstaaten nicht egal sein, wenn der größte Mitgliedstaat durch seinen Ausstieg aus der Kernenergie das Erreichen der CO2-Reduktionsziele der EU-Kommission unmöglich mache, sagte der Manager.

Seite 1:

Klimabericht facht Kernkraft-Debatte neu an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%