Kolumbianische Militäraktion
Ingrid Betancourt aus Geiselhaft befreit

Nach mehr als sechs Jahren in Händen der Farc-Guerilla ist die französisch-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt am Mittwoch befreit worden. Sie sei bei einer Militäraktion gemeinsam mit drei US-Bürgern aus der Hand der Rebellengruppe gerettet worden, teilte Verteidigungsminister Juan Manuel Santos in Bogotá mit. Dabei sei kein einziger Schuss gefallen. Alle Befreiten seien wohlauf.

MEXIKO STADT. Die 46 Jahre alte Betancourt war am 23. Februar 2002 verschleppt worden, als sie sich im Wahlkampf um das kolumbianische Präsidentenamt befand. Sie war die prominenteste Geisel der Linksrebellen Farc, ihr wichtigstes politisches Faustpfand. Zuletzt war vor einigen Monaten ein Video von ihr veröffentlicht worden, auf dem sie krank und gebrochen aussah. Vor allem die Regierung in Paris hatte sich immer wieder stark gemacht für eine Freilassung Betancourts, da sie auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt. Frankreich bestätigte am Abend in Paris die Freilassung Weitere Angaben wollte das Präsidialamt zunächst nicht machen.

Insgesamt seien 15 Geiseln befreit worden, drei US-Bürger und elf kolumbianischen Soldaten und Militärs, ergänzte Santos. Die Farc, älteste und größte Rebellengruppe Lateinamerikas, hat nach unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 750 und eintausend Menschen in ihrer Gewalt.

Die mit US-Hilfe hochgerüstete kolumbianische Armee hat die Guerilla in den vergangenen Jahren in die Enge getrieben. Nach Angaben der Regierung sind dieses Jahr rund 900 Farc-Kämpfer gefasst oder getötet worden, 860 Guerilleros hätten sich ergeben. Die Farc, die einst 17 000 Kämpfer hatte, verfügt nach Schätzungen nur noch über rund 11 000 Männer, Frauen und Kinder unter Waffen.

Anfang Juni hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez den neuen Anführer der Rebellen, Alfonso Cano, zur Freilassung aller Geiseln aufgefordert. Dies könne ein erster Schritt zur Beendigung des jahrzehntelangen innerkolumbianischen Konflikts sein, hatte er erklärt. Bewaffnete Guerilla-Bewegungen seien nicht mehr zeitgemäß, sondern gehörten der Geschichte an. Anfang des Jahres hatte die Farc auf Vermittlung von Chávez bereits mehrere Geiseln freigelassen, die sie zum Teil seit Jahren im Dschungel gefangen hielt.

Die Rebellen-Organisation, die der inzwischen verstorbene Manuel Marulanda 1964 zum Kampf für soziale Gerechtigkeit und eine Landreform gründete, finanziert sich heute über Drogenhandel, Erpressung von Lösegeldern und möglicherweise auch mit Geldern der venezolanischen Regierung von Hugo Chávez. Ihr politisches Faustpfand sind rund 750 Geiseln. 40 unter ihnen waren so genannte Austauschbare, Verschleppte also, die als Druckmittel gegenüber der Regierung dienen. Zu ihnen gehörte auch Ingrid Betancourt.

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