Kolumbien
Betancourt für Mäßigung im Umgang mit Rebellen

Aus Sicherheitsgründen bleibt die nach sechs Jahren Gefangenschaft befreite Ingrid Betancourt vorerst in Frankreich. Dem Land Kolumbien wolle sie aber mit ganzem Herzen dienen, sagte sie im französischen Radio. In der Übertragung richtete sie auch das Wort an den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe und andere Politiker des Landes.

HB BOGOTA. Die nach sechs Jahren hat den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe und andere Politiker des Landes zur Mäßigung im Umgang mit den Rebellen der FARC aufgefordert. "Wir sind an dem Punkt angekommen, wo das radikale, extremistische Vokabular voller Hass geändert werden muss", forderte Betancourt am Montag im französischen Radio RFI. Sie wolle Kolumbien mit ihrem ganzen Herzen dienen, werde zunächst aber aus Sicherheitsgründen in Frankreich bleiben. Betancourt war 2002 von den FARC entführt worden.

Betancourt sagte auf die Frage nach den anhaltenden Spekulationen zu eventuellen Lösegeldzahlungen bei ihrer Befreiung in der vergangenen Woche, dass im Vorfeld wahrscheinlich einmal Geld an einzelne Guerilleros geflossen sei. "Auf jeden Fall waren es nicht die Leute, die bei uns waren." Zwei der Bewacher der ehemaligen Senatorin und Präsidentschaftskandidatin wurden bei dem Einsatz der kolumbianischen Streitkräfte festgenommen.

Sie wolle zunächst in Frankreich bleiben, weil ihre Familie so viel gelitten habe, erklärte die Franko-Kolumbianerin. "Ich denke, dass ich hier bleiben muss", sagte die Politikerin. "Von hier aus kann ich viel mehr beitragen." Betancourt kündigte an, dass sie nicht an einer für den 20. Juli in Bogotá geplanten Demonstration zur Freilassung aller Geiseln teilnehmen wird. "Ich habe Angst", sagte die Politikerin. "Die FARC haben eine große Niederlage erlitten, sie könnten sich rächen wollen." Sie wolle aber an einer gleichzeitigen Kundgebung in Paris mitwirken.

Betancourt rief die noch verbliebenen Geiseln auf, die Hoffnung auf Freiheit nicht aufzugeben. Sie werde sich für alle einsetzen, die noch in der Gewalt der Guerillaorganisation FARC seien. Ähnliche Appelle übertrug der Radiosender Caracol auch von vier kolumbianischen Polizisten, die zusammen mit Betancourt befreit wurden.

"Wir haben nie gedacht, dass wir einmal frei sein würden", sagte John Jairo Duran. "In sehr naher Zukunft seid ihr an der Reihe." Duran scherzte, dass der zusammen mit ihm befreite US-Bürger Marc Gonsalves noch eine Partie Schach schulde, weil ihr Spiel von der Befreiungsaktion unterbrochen worden sei.

Nach der spektakulären Aktion der kolumbianischen Streitkräfte ist die Zustimmung für Präsident Alvaro Uribe auf einen Spitzenwert gestiegen. in einer Umfrage der Zeitung "El Espectador" sprachen sich 91 Prozent der Befragten für Uribe aus. Ende Juni waren es 73 Prozent gewesen. Betancourt, die zum Zeitpunkt ihrer Entführung vor mehr als sechs Jahren Präsidentschaftskandidatin war, erreichte einen Wert von 79 Prozent.

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