Kolumbien
Entführter Gouverneur tot aufgefunden

Einen Tag nach seiner Entführung ist der Gouverneur der südkolumbianischen Provinz Caquetá, Luis Francisco Cuéllar, enthauptet aufgefunden worden. Die Behörden beschuldigen die marxistischen Farc-Rebellen der Tat. Die Farc hatten seit Jahren keine Politiker mehr entführt.
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HB BOGOTA. Wie Präsident Alvaro Uribe am Dienstag bestätigte, wurde die enthauptete Leiche in der Nähe der Provinzhauptstadt Florencia entdeckt. Ein schwer bewaffnetes Überfallkommando hatte Cuéllar am Vorabend aus seiner Residenz in Florencia entführt. Die Behörden beschuldigten die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) der Tat. Die FARC selbst äußerten sich zunächst nicht. Der politisch unabhängige Cuéllar, der seit 1987 schon viermal von den Farc verschleppt wurde, wäre am Dienstag 69 Jahre alt geworden.

Der Regierungssekretär der Provinz, Edilberto Ramón Endo, bestätigte die Angaben. "Es ist tatsächlich so, dass die Leiche des Gouverneurs gefunden wurde. Das hat mir eine absolut sichere Quelle vor Ort bestätigt", sagte er dem Radiosender RCN. Nach seinen Angaben konnten die sterblichen Überreste wegen heftiger Kämpfe des Militärs mit Farc-Rebellen erst spät geborgen werden. Lokalen Medienberichten zufolge wies der Körper Cuéllars mehrere Schusswunden auf und war enthauptet. Inzwischen sei die Leiche in eine Kaserne in Florencia gebracht worden.

Die Farchatten schon oft gedroht, dass sie Entführungsopfer bei gewaltsamen Befreiungsversuchen sofort umbringen würden. So töteten sie 2003 den entführten Gouverneur der Provinz Antioquia, Guillermo Gaviria, während eines Befreiungsversuchs durch die Sicherheitskräfte. Polizei und Militär hatten die Entführer Cuéllars am Montagabend umgehend verfolgt und es war zu heftigen Gefechten in der Nähe der Stadt gekommen.

Die Politikerin Olga Vega, die zwischenzeitlich das Amt Cuéllars übernommen hat, sagte, sie sei von Verteidigungsminister Gabriel Silva über den Tod des Gouverneurs informiert worden. "Wir haben so gehofft, dass sie ihn freilassen würden, und verstehen einfach nicht, warum sie ihn umgebracht haben. In tiefer Trauer bleibt uns nichts andres übrig, als diese schmerzhafte Tatsache zu akzeptieren. Es ist ein schwerer Schlag für unserer staatliche Verfassung", sagte die Politikerin.

Unterdessen teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit, die Bedingungen für eine seit längerem erhoffte Freilassung mehrerer Farc-Geiseln seien zurzeit nicht gegeben. "Wir gehen davon aus, dass dieser Zustand vorübergehend ist und der Prozess der Annäherung (zwischen Regierung und Rebellen) in eine erfolgreiche Freilassung (von Farc-Geiseln) münden wird", sagte der IKRK-Delegierte für Kolumbien, Pascal Jequier.

Uribe, dessen Vater von den Farc umgebracht wurde, hatte eine Belohnung für Hinweise auf den Verbleib Cuéllars in Höhe von umgerechnet 345 000 Euro ausgesetzt. Zudem hatte er die gewaltsame militärische Befreiung aller Farc-Geiseln angeordnet. Angehörige der insgesamt noch 23 Polizisten und Militärs in der Gewalt der Farc äußerten sich sehr beunruhigt über diesen Befehl.

Die Farc hatten seit Jahren keine Politiker mehr entführt. Alle von ihnen festgehaltenen Politiker waren entweder ohne Gegenleistung freigelassen oder vom Militär befreit worden, zuletzt 2008 die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Die Farc bekämpfen den Staat schon seit mehr als 45 Jahren, und ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.

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