Kolumbien
Fotografieren für mehr Gerechtigkeit

Regelmäßig knipsen Kolumbiens Behörden alle Häuser und klassifizieren sie. Denn wer arm wohnt, zahlt weniger für Strom und Wasser. Wer sparen will, der schummelt.

HB CALI. Der Schotterweg flimmert in der Mittagshitze. Carlos Mendez stemmt die Hände in die Hüften, seine Augen schweifen über die unverputzte Backsteinfassade. Der Rohbau, in dem er mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt, steht in Villa Rica, einem der ärmsten Vororte von Kolumbiens Zwei-Millionenstadt Cali.

„Damit wir das 112 Quadratmeter große Grundstück kaufen konnten, musste ich mein Motorrad und den Fernseher verkaufen“, sagt Mendez. „Die ersten Jahre haben wir noch in einer behelfsmäßigen Bambushütte gewohnt, bis wir das Geld für Beton und Steine zusammenhatten.“

Mendez ist gelungen, was hier zu Lande nicht selbstverständlich ist: in ein Haus mit festen Wänden, Türen und Fenstern zu ziehen. Für mehr sozialen Aufstieg aber wird es wohl so bald nicht reichen. Denn eine bessere Wohngegend ist für Mendez zu teuer – wegen der Nebenkosten.

Das liegt an dem, was die Kolumbianer „Stratifizierung“ nennen. Alle Wohngebiete werden in Güteklassen unterteilt. Wer in einem edlen Viertel wohnt, zahlt für Wasser, Strom, Telefon oder Studiengebühren mehr als die Bewohner ärmerer Gegenden.

Doch was in den neunziger Jahren als kreatives Programm zur sozialen Umverteilung begann, bewirkt längst eher das Gegenteil.

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