Kolumbien
Ist der Frieden noch zu retten?

Nach dem donnernden „Nein“ zu dem Friedensabkommen mit den Farc müssen sich Regierung und Rebellen neu sortieren. Soll der Vertrag noch eine Chance haben, muss nachverhandelt werden. Aber die Zeit drängt.

Bogotá/HavannaStunde Null in Kolumbien: Nach der Ablehnung des Friedensvertrags zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation Farc stehen die Konfliktparteien vor einem Scherbenhaufen. Die in fast vierjährigen Verhandlungen mühsam errungene Einigung ist mit dem negativen Votum der Wähler obsolet geworden. Nun muss nachverhandelt werden, um den Frieden noch zu retten

„Das ist eine sehr unsichere Zeit“, sagt Gimena Sánchez vom Forschungsinstitut Washington Office on Latin America (Wola). „Die Delegationen müssen sich nun zügig auf die nachzuverhandelnden Punkte und einen Zeitplan einigen, um das Momentum nicht zu verlieren.“

Die Unterhändler der Regierung wollten umgehend wieder nach Kuba reisen, um mit der Farc-Führung über das weitere Vorgehen zu beraten. Präsident Juan Manuel Santos kam in Bogotá mit Vertretern verschiedener Parteien zusammen, um die Lage zu sondieren. Die treibende Kraft hinter der Ablehnung des Vertrags, die rechte Partei Centro Democrático von Ex-Präsident Álvaro Uribe, nahm an dem Treffen allerdings nicht teil.

Das äußerst knappe Ergebnis des Plebiszits zeigt auch, wie tief gespalten die Gesellschaft nach einem halben Jahrhundert des internen Konflikts ist: In arm und reich, links und rechts, Stadt- und Landbevölkerung. „Kolumbien ist geteilt“, sagt Wola-Expertin Sánchez. „Wo die Leute nicht direkt vom Konflikt getroffen sind, haben sie mit Nein gestimmt. In den Kampfzonen hat das Ja dominiert.“

Eine Wahlenthaltung von über 60 Prozent bei einer so essenziellen Frage deutet zudem auf ein hohes Maß an Apathie hin. Zu oft wurde die Hoffnung auf Frieden bereits enttäuscht. Um den Frieden im zweiten Anlauf umzusetzen, müssen die Konfliktparteien alle gesellschaftlichen Gruppen einbinden.

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„Ich gebe nicht auf“

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