Kolumbien

Juan Manuel Santos nimmt Friedensnobelpreis entgegen

Nach über 50 Jahren haben Kolumbiens Regierung und die Rebellen der Farc das Ende des Guerillakrieges besiegelt. Präsident Santos erhielt dafür den Friedensnobelpreis – diesen nahm er nun in Empfang.
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Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen

Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen

OsloFür seinen Einsatz zur Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Kolumbien ist Präsident Juan Manuel Santos am Samstag mit dem Friedensnobelpreis 2016 ausgezeichnet worden. „Den meisten von uns erschien Frieden wie ein unmöglicher Traum“, sagte der Preisträger bei der Zeremonie in Oslo. Jetzt hätten die Kolumbianer das Unmögliche möglich gemacht. Er nehme den Preis im Namen seines Volks und der vielen Opfer des Krieges entgegen.

Kurz vor der Verleihung war der historische Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc-Guerilla beschlossen worden. Ein erster Versuch, das Abkommen durchzusetzen, war im Oktober an dem Nein des Volkes bei einem Referendum gescheitert. Diese Ablehnung sei für ihn genauso überraschend gekommen wie die Zuerkennung des Nobelpreises vier Tage später, sagte Santos. Die Auszeichnung nannte der Präsident „ein Geschenk des Himmels“.

Ende eines 50-jährigen Krieges
Ein historischer Moment
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Nach 52 Jahren endet der Guerillakrieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den linken Farc Rebellen. In dem Krieg starben über 220 000 Menschen, rund fünf Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen.

Präsident Santos informiert das Volk
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Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos verkündete am Mittwoch, nach vier Jahren Friedensverhandlung, den erfolgreichen Abschluss der Gespräche. Seit Tagen feilten die Unterhändler an den letzten Details.

Harte Verhandlungen
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Teilweise wurde über 18 Stunden am Stück verhandelt. Knackpunkte waren unter anderem, wie die linken Rebellen, vor Attacken durch rechte Paramilitärs geschützt werden und wie sie ein politisches Projekt gründen können.

Brutale Kämpfe über Jahrzehnte
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Bilder, die den Konflikt dominiert haben: Ein Polizist der kolumbianischen Regierung sitzt vor einer Polizeistation, die durch einen Bombenangriffs zerstört wurde.

Die Guerrillas
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Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee (Farc-EP) sind die größte und älteste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Gemeinsam mit anderen Rebellengruppen kontrollierten sie einst große Teile von Kolumbien. Seit 2002 drängte das Militär die Farc immer weiter zurück.

Erste Friedensgespräche waren gescheitert
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Auf dem Höhepunkt ihrer Macht führten die Farc von 1998 bis 2002 bereits einmal Friedensgespräche mit der Regierung. Damals wurde ihr eine demilitarisierte Zone von der Größe der Schweiz eingeräumt. Allerdings nutzten die Rebellen das Gebiet als Rückzugsort nach Angriffen und die Verhandlungen scheiterten.

Truppen im Dschungel
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Genug gekämpft: Rund 2000 inhaftierte Farc-Kämpfer können nun auf die Entlassung aus dem Gefängnis hoffen. Derzeit soll die Farc noch 8000 Kämpfer haben, die sich jetzt auf ein Leben ohne Waffen vorbereiten können.

Mit dem neuen Vertrag zwischen Farc und Regierung sei „der älteste und letzte bewaffnete Konflikt der westlichen Hemisphäre“ beigelegt. In dem Bürgerkrieg waren seit 1964 über 220.000 Menschen gestorben, Millionen wurden vertrieben. „Dank dieses Abkommens können wir sagen, dass der amerikanische Kontinent - von Alaska bis Patagonien - friedliches Land ist“, sagte Santos.

„Es ist immer noch ein langer Weg zu gehen“, mahnte Nobeljurorin Berit Reiss-Andersen bei der Feier, zu der auch einige Opfer des Bürgerkriegs kamen. „Nach 50 Jahren des bitteren Konflikts geschieht die Versöhnung nicht über Nacht.“

Den Friedensprozess in Gang zu bringen, bei dem der Präsident „eine treibende Kraft“ gewesen sei, habe „erheblichen politischen Mut und große Ausdauer“ erfordert. Der Preis sei auch „als Tribut an das kolumbianische Volk gedacht - ein Volk, das die Hoffnung auf Frieden trotz großer Nöte und unzähliger Ungerechtigkeiten nie aufgegeben hat“.

Unter den Gästen war die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die von der Farc entführt worden war. Vertreter der Farc waren nicht bei der Feier dabei. Santos hatte aber einen ihrer Verhandlungsführer eingeladen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, er wünsche sich, dass der Preis Santos „Kraft und Ansporn gibt, weiterhin mit vollem Einsatz für einen dauerhaften Frieden in Kolumbien zu arbeiten“. Jetzt gelte es, „keine Zeit zu verlieren, um den Menschen, die so sehnlich auf ein friedlicheres Leben warten, zu beweisen, dass der Friedensschluss mit den Farc nicht nur auf dem Papier existiert“.

Nach dem Votum des Kongresses für den Friedensvertrag sollen die rund 5800 Kämpfer der Farc bis April ihre Waffen abgeben. Santos will nun versuchen, einen Vertrag mit der kleineren ELN-Guerilla auszuhandeln.

2015 hatte das tunesische Quartett für den nationalen Dialog den Preis bekommen. Am Nachmittag sollten in Stockholm noch die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft verliehen werden. Weil Literaturnobelpreisträger Bob Dylan für die Feier abgesagt hatte, wird sein Preis später überreicht. Wann, steht noch nicht fest. Die Preise sind mit je acht Millionen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert.

Das sind die Nobelpreisträger 2016
Literaturnobelpreis: Bob Dylan
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Rund 20 Jahre lang wurde Bob Dylan mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging er am Ende leer aus. Zu gewagt erschien es der Jury, einem Musiker – und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt – die höchste Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Wenige Monate nach Dylans 75. Geburtstag hat sie sich getraut, nun hat er wirklich alles erreicht. Für die Verleihung des Preises hat Dylan allerdings abgesagt. Wann und wie der US-Rockpoet seinen Nobelpreis erhält, ist unklar.

Bob Dylan
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Der in Duluth im US-Bundesstaat Minnesota als Robert Allen Zimmerman geborene Musiker  benannte sich vermutlich nach einem literarischen Idol um, dem walisischen Dichter Dylan Thomas. Sein musikalischer Erfolg stellte sich mit dem Song „Blowin' In The Wind“ (1963) ein. Später mutierte er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre, komponierte und textete Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Seine mit Metaphern, Symbolen und Anspielungen durchsetzten Texte sind bis heute von beispielloser Qualität.

Nobelpreis für Wirtschaft
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Oliver Hart und Bengt Holmström für ihre Beiträge zur Kontrakttheorie.

Bengt Holmström
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Bengt Robert Holmström ist Wirtschaftsprofessor an der renommierten US-Eliteuniversität MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge bei Boston. Der 67-jährige Finne war schon als hochdekorierter Vertreter seines Berufsstandes bekannt, bevor er für seine Arbeit zur Vertragstheorie den Wirtschaftsnobelpreis 2016 gewann. Holmströms Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, er hält mehrere Ehrendoktor-Titel, unter anderem von der Stockholm School of Economics.

Bengt Holmström
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Als Dozent und Professor prägte der am 18. April 1949 geborene Holmström gleich mehrere Top-Adressen der US-Wirtschaftslehre. 1978 machte der auf Mikro-Theorie spezialisierte Ökonom seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Stanford Universität in Kalifornien. Von 1979 bis 1982 lehrte er an der Kellogg Grad School of Management, von 1983 bis 1994 an der Elite-Universität Yale. Von 1999 bis 2012 war er Aufsichtsrat des finnischen Telekom-Konzerns Nokia. Mit seiner Frau Anneli hat er ein Kind: Sohn Sam wurde 1974 geboren.

Oliver Hart
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Oliver Hart ist seit 1993 Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston, die als eine der besten Adressen weltweit gilt. Der 68-jährige US-Ökonom mit britischen Wurzeln ist Experte für Unternehmenslehre mit Schwerpunkten wie Vertragstheorie, Rechtsfragen und Privatisierung. Außerdem soll er ein passionierter Tischtennis-Spieler sein.

Oliver Hart
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Hart studierte Mathematik und Ökonomie in England (Cambridge und Warwick), bevor er 1972 an der US-Eliteuni Princeton seinen Doktor machte. Nachdem er für einige Jahre als Professor an der London School of Economics lehrte, kehrte der Wirtschaftsforscher 1984 in die USA zurück, wo er zunächst am renommierten MIT unterrichtete. Hart, der 1995 selbst ein Lehrwerk zur Vertragstheorie veröffentlichte, ist mit einer US-Schriftstellerin verheiratet und hat zwei Söhne.

  • dpa
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1 Kommentare zu "Kolumbien: Juan Manuel Santos nimmt Friedensnobelpreis entgegen"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    TRAUTMANN

    Danke

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