Kolumbiens Präsident Santos will auch mit ELN-Guerilla Frieden erzielen

Mit dem Rückenwind des Friedensnobelpreises strebt Kolumbiens Präsident Santos auch mit der ELN-Guerilla einen Frieden an. Doch das ist schwierig – aber nur so wäre der Frieden komplett, sagt er.
Ende eines 50-jährigen Krieges
Ein historischer Moment
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Nach 52 Jahren endet der Guerillakrieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den linken Farc Rebellen. In dem Krieg starben über 220 000 Menschen, rund fünf Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen.

Präsident Santos informiert das Volk
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Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos verkündete am Mittwoch, nach vier Jahren Friedensverhandlung, den erfolgreichen Abschluss der Gespräche. Seit Tagen feilten die Unterhändler an den letzten Details.

Harte Verhandlungen
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Teilweise wurde über 18 Stunden am Stück verhandelt. Knackpunkte waren unter anderem, wie die linken Rebellen, vor Attacken durch rechte Paramilitärs geschützt werden und wie sie ein politisches Projekt gründen können.

Brutale Kämpfe über Jahrzehnte
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Bilder, die den Konflikt dominiert haben: Ein Polizist der kolumbianischen Regierung sitzt vor einer Polizeistation, die durch einen Bombenangriffs zerstört wurde.

Die Guerrillas
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Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee (Farc-EP) sind die größte und älteste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Gemeinsam mit anderen Rebellengruppen kontrollierten sie einst große Teile von Kolumbien. Seit 2002 drängte das Militär die Farc immer weiter zurück.

Erste Friedensgespräche waren gescheitert
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Auf dem Höhepunkt ihrer Macht führten die Farc von 1998 bis 2002 bereits einmal Friedensgespräche mit der Regierung. Damals wurde ihr eine demilitarisierte Zone von der Größe der Schweiz eingeräumt. Allerdings nutzten die Rebellen das Gebiet als Rückzugsort nach Angriffen und die Verhandlungen scheiterten.

Truppen im Dschungel
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Genug gekämpft: Rund 2000 inhaftierte Farc-Kämpfer können nun auf die Entlassung aus dem Gefängnis hoffen. Derzeit soll die Farc noch 8000 Kämpfer haben, die sich jetzt auf ein Leben ohne Waffen vorbereiten können.

CaracasNach dem Abkommen mit der Farc-Guerilla will Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos auch mit der kleineren Guerillagruppe ELN über Frieden verhandeln. Die Gespräche sollen am 27. Oktober in Ecuadors Hauptstadt Quito beginnen, teilten Unterhändler der Regierung und der ELN-Guerilla Montagabend (Ortszeit) in Venezuelas Hauptstadt Caracas mit.

Eine Hauptforderung der Regierung ist die Freilassung aller Gefangenen. Schon im März hatte es einen Anlauf für Friedensgespräche gegeben, der aber am Streit um die Geiseln scheiterte. Präsident Santos betonte nach der Ankündigung: „Das wäre ein vollständiger Frieden“.

Die ELN-Gespräche sollen mit internationaler Unterstützung durch die Regierungen Ecuadors, Venezuelas, Kubas, Chiles, Norwegens und Brasiliens zu einem Erfolg geführt werden. Vereinbart wurde, dass die 1964 gegründete, marxistisch orientierte ELN bis 27. Oktober weitere Geiseln freilässt.

Die Rebellen sagten nach Angaben der Zeitung „El País“ zu, zwei Gefangene vor dem Termin freizulassen, konkretisierten aber nicht, wie viele Menschen sich insgesamt noch in ihrer Gewalt befinden. Zudem solle es laut der Guerilla in den ersten Gesprächen darum gehen, wie sich die Bevölkerung an den Verhandlungen beteiligen könne. Dabei solle vor allem geklärt werden, wie der „rechtliche Status“ für diejenigen aussehe, die wegen einer Verbindung zur ELN angeklagt oder verurteilt wurden.

Mit der Farc-Guerilla hat Santos bereits ein Friedensabkommen geschlossen, das aber in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Ein Kritikpunkt ist die geplante politische Betätigung von Ex-Guerilleros und die Sonderjustiz mit maximal acht Jahren Gefängnis. Santos muss nun versuchen, den Pakt neu zu verhandeln. Er hat versprochen, bis zum Ende seiner Amtszeit für Frieden zu kämpfen. Bis Ende Oktober gilt ein Waffenstillstand mit der Farc - wie es danach weitergeht, wie ein Kompromiss mit den Gegnern aussehen kann, ist noch völlig offen.

Befürchtet wird, dass sich ehemalige Farc-Kämpfer verstärkt der ELN anschließen könnten und sich damit der bewaffnete Konflikt im Land nur verlagern würde. Die ELN soll noch über 1300 bis 2000 Kämpfer verfügen, die Farc bezifferte ihre Kämpferzahl zuletzt auf 5800. Der Konflikt zwischen Militär, Guerilla und rechten Paramilitärs hat seit 1964 über 220.000 Menschenleben gefordert, über fünf Millionen wurden vertrieben.

  • dpa
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