Komittee will mit Entscheidung Kampf gegen Atomwafen neuen Auftrieb geben
Friedensnobelpreis für El Baradei und IAEO

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Internationale Atomenergie-Organisation IAEO und ihren Chef Mohammed el Baradei. Das teilte das Nobelkomitee in Oslo am Freitag mit. Der 62-jährige Ägypter und die in Wien ansässige Behörde werden für ihren Einsatz gegen die Ausbreitung von Atomwaffen ausgezeichnet. Sie erhalten den mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierten Preis je zur Hälfte.

HB OSLO. Das Nobelkomitee in Oslo begründete seine Entscheidung am Freitag mit den Bemühungen der IAEO und ihres Chefs „um Verhinderung der militärischen Anwendung von Atomenergie“. In einer Zeit mit erneut drohender Aufrüstung sei diese Arbeit von ganz besonders großer Bedeutung. Dieser Bedrohung müsse mit einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit begegnet werden. Dieses Prinzip finde seine deutlichste Ausprägung in der Arbeit der IAEO und ihres Generalsdirektors ElBaradei.

Der Komiteechef Ole Danboldt Mjøs sagte: „Wir wollen mit diesem Preis dem Kampf gegen Atomwaffen wirklich neuen Auftrieb geben.“ Die Bemühungen um Abrüstung befänden sich zurzeit offenbar in einer Sackgasse, kritisierte das Komitee. Die in Wien ansässige IAEO engagiert sich derzeit vor allem bei den Bemühungen um ein Stopp der Atomprogramme in Nordkorea und im Iran. Die UN-Behörde zeigte sich kritisch gegenüber dem Beschluss der USA zur Invasion des Iraks wegen dort angeblich gelagerter Massenvernichtungswaffen. Sie hatte dort keine solchen Waffen gefunden. Der 63-jährige ägyptische Jurist El Baradei ist in diesem Jahr gegen den Widerstand der USA für eine dritte vierjährige Amtszeit wiedergewählt worden.

In der Würdigung wird auf die Gefahr hingewiesen, dass immer mehr Staaten Atomwaffen entwickeln. Auch sei zu befürchten, dass sich terroristische Gruppen in den Besitz von Atomwaffen bringen könnten. Bisher habe die Welt wenig erreicht, um die Rolle von Atomwaffen in den internationalen Beziehungen zu verringern oder sie ganz abzuschaffen. „Dies macht die aktive Opposition gegen Atomwaffen heute umso wichtiger.“ El Baradei habe sich als unerschrockener Befürworter einer Stärkung des Verbots der Weiterverbreitung von Atomwaffen erwiesen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete die Entscheidung des Komitees als „sehr kluge Entscheidung“. Damit werde Baradeis „sehr gute Arbeit“ während des Irak-Kriegs und dessen Bemühungen um eine Lösung des Atomkonflikts in Iran angemessen gewürdigt, teilte Regierungssprecher Béla Anda am Freitag in Berlin mit. Auch Schröder gehörte in diesem Jahr zu den nominierten Kandidaten.

Schon im Vorfeld galten als aussichtsreichste Anwärter Initiativen und Personen, die sich für die Abschaffung aller Atomwaffen auf der Welt einsetzen. Gehandelt wurden unter anderem die von Überlebenden der Atombomben in Hiroschima und Nagasaki gegründete japanische Organisation Nihon Hidankyo. Vorgeschlagen wurden auch die US-Politiker Sam Nunn und Richard Lugar. Beide wirken seit den neunziger Jahren für die Beseitigung von Atomwaffen in der früheren Sowjetunion.

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