Kommandoaktion
Israelis dringen in Libanon vor

Israelische Soldaten sind erstmals seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am Samstag tief ins Innere des Libanons eingedrungen. Bei der Kommandoaktion lieferten sich die Soldaten ein Gefecht mit Hisbollah-Milizionären.

HB BEIRUT/TEL AVIV/NEW YORK. Die seit fünf Tagen bestehende Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz erweist sich damit als brüchig. Bei dem Einsatz seien drei Hisbollah-Kämpfer und ein israelischer Offizier getötet sowie zwei weitere israelische Soldaten verletzt worden worden, bestätigten libanesische und israelische Quellen. Ziel der Aktion sei es gewesen, den Schmuggel von Waffen aus Syrien und dem Iran zu unterbinden. Dies sei auch gelungen.

Unterdessen landeten am Morgen die ersten von zunächst 200 französischen Soldaten im südlibanesischen Hafen Nakura, die die UN- Friedenstruppe UNIFIL im Libanon verstärken sollen. Die rund 50 Mann umfassende Vorhut würde schweres Gerät an Land bringen, bestätigte ein UNIFIL-Sprecher.

Bei der israelischen Kommandoaktion in der Nacht hätten israelische Hubschrauber unter dem Schutz von vorgetäuschten Luftangriffen zwei gepanzerte Hummer-Geländefahrzeuge etwa 100 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt im Ostlibanon abgesetzt, berichtete die libanesische Polizei. Israelische Soldaten seien dann ins rund 30 Kilometer von der Stadt Baalbek entfernte Dorf Budai gefahren, wo sie sich ein Gefecht mit Hisbollah-Milizionären geliefert hätten.

Die libanesische Armee richtete am Samstag erstmals eine dauerhafte Stellung unmittelbar an der israelischen Grenze ein. Libanesische Soldaten rückten im Morgengrauen zum so genannten Fatima-Tor vor, das die südlibanesische Ortschaft Kfar Kila und die nordisraelische Stadt Metulla voneinander trennt. Rund 15 000 Regierungssoldaten und tausende UN-Blauhelme sollen in den kommenden Tagen und Wochen die Kontrolle über den Südlibanon übernehmen, aus dem sich das israelische Militär seit Beginn der Waffenruhe zurückzieht. Bislang war der Südlibanon von der Hisbollah- Miliz kontrolliert worden.

Die Hisbollah weitete am Samstag die Verteilung von Geld an libanesische Obdachlose aus. „Wir haben in Beiruts südlichen Stadtteilen begonnen und gehen jetzt in den Süden des Libanons“, sagte ein Hisbollah-Mitglied. Familien, die ihr Hab und Gut verloren haben, bekämen jeweils rund 12 000 Dollar (9 300 Euro). Das Geld stamme auch aus dem Iran.

Am Montag vergangener Woche war nach 33-tägigen heftigen Kämpfen im Libanon eine Waffenruhe in Kraft getreten, die als äußerst brüchig gilt. Israel hatte seine Luftangriffe im Libanon eingestellt, die radikal-islamische Hisbollah ihrerseits ihre Raketenattacken auf israelische Städte.

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