Kommandoaktion
Israelische Einheit im Norden des Libanon

Eine israelische Kommandoeinheit ist in der Nacht mit Hubschraubern tief in den Libanon eingedrungen und hat in einer Klinik der Provinzstadt Baalbek, die etwa auf der Höhe von Beirut liegt, mehrere Hisbollah-Kämpfer gefangen genommen. Der „große Fisch“, nach dem die Soldaten offenbar suchten, entging ihnen jedoch.

HB BAALBEK/JERUSALEM. Eine Sprecherin der israelischen Armee gab am Mittwochmorgen bekannt, es seien sieben Hisbollah-Milizionäre gefangen genommen und nach Israel gebracht worden. Alle israelischen Soldaten seien unversehrt in die Heimat zurückgekommen. In libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, mindestens drei Mitglieder der Hisbollah von eher niedrigem Rang seien gefasst worden. Offiziell erklärte die libanesische Polizei, die Israelis hätten fünf Zivilisten verschleppt. Es habe sich nicht um Hisbollah-Kämpfer gehandelt. Baalbek liegt in der Bekaa-Ebene unweit der Grenze des Libanon zu Syrien.

Nach israelischen Medienberichten wollte die Einheit Scheich Mohammed Yazbek, ein Mitglied des höchsten Führungszirkels der Hisbollah, aus dem von der Hisbollah betriebenen Krankenhaus westlich von Baalbek nach Israel entführen. Ein Mitarbeiter der libanesischen Sicherheitsbehörden sagte jedoch, der ranghohe Hisbollah-Aktivist sei am Dienstag in dem Krankenhaus gewesen, habe es vor den Angriffen aber wieder verlassen. Libanesische Medien wollen dagegen erfahren haben, dass die Einheit nicht nach dem Hisbollah-Anführer suchte, sondern nach den beiden israelischen Soldaten, die die Miliz an der Grenze entführt und dadruch den Krieg ausgelöst hatte.

Die Luftlandetruppen lieferten sich Augenzeugen zufolge heftige Kämpfe mit dem Gegner. Augenzeugen zufolge beschoss Israel mit Maschinengewehren und Raketen Ziele in der Nähe der Klinik und in Baalbek selbst. Dadurch seien elf Bewohner des Dorfes Jammalije nahe Baalbek ums Leben gekommen. Nach Angaben der örtlichen Polizei ist darunter ein Syrer.

Die Landung der Kommandotrupps war der tiefste israelische Vorstoß in den Libanon seit zwölf Jahren. Baalbek liegt rund 120 Kilometer nördlich der Grenze. Zuletzt drangen israelische Truppen 1994 so weit in libanesisches Gebiet vor. Sie brachten damals den Guerilla-Führer Mustafa Dirani in ihre Gewalt. Dirani wurde zehn Jahre später in einem Gefangenenaustausch freigelassen.

Israels Justizminister Haim Ramon hatte am Dienstag gesagt, nach Ablauf der am frühen Montag ausgerufenen Feuerpause von 48 Stunden würden auch die Luftangriffe am Mittwoch wieder in voller Stärke aufgenommen. Der Krieg in der Region geht inzwischen in die vierte Woche. Während Israel Ziele im Libanon angreift, feuert die Hisbollah Raketen auf Israel. Bislang sind im Libanon mindestens 631 und in Israel 54 Menschen getötet worden. Hunderttausende sind auf der Flucht. Die UN wollen vermutlich noch in dieser Woche über die Entsendung einer internationalen Schutztruppe in den Libanon beraten.

Israels Vize-Ministerpräsident Schimon Peres sagte, der Krieg könne noch Wochen dauern. Infrastrukturminister Binjamin Ben-Elieser deutete einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen an. Ministerpräsident Ehud Olmert äußerte sich nicht zu einem Zeitplan. „Wir stehen am Beginn eines politischen Prozesses, der am Ende zu einem Waffenstillstand unter völlig neuen Bedingungen führen wird“, sagte er lediglich. Die Hisbollah werde niemals mehr in der Lage sein, Israel zu bedrohen. „Diese Gefahr wird nicht mehr so sein wie sie einmal war.“ Seinen Worten zufolge wurden seit Beginn des Kriegs 300 der schätzungsweise 2000 Hisbollah-Kämpfer getötet. Die Hisbollah wies dies zurück.

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