Kommentar
Baut eine Republik auf den Trümmern Gaddafis

Das Ende des Diktators ist der Anfang Libyens. Nun müssen zügig eine neue Verfassung her und Wahlen. Aber vor allem sollte das Land nicht die Fehler des Iraks nach dem Sturz von Saddam Hussein wiederholen.
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BerlinEines muss man Muammar el Gaddafi lassen: Libyens Dauerdiktator hat sich selbst nach seinem Sturz nach 42 Jahren Schreckensherrschaft nicht heimlich aus dem Lande gestohlen wie sein „Nachbar“, der durch Massendemonstrationen aus dem Amt getriebene tunesische Herrscher Ben Ali. Wie Iraks Despot Saddam Hussein versteckte er sich im eigenen Land. Und wie Saddam wurde er Opfer seiner eigenen Propaganda, seines Realitätsverlusts, des Irrglaubens, die Massen stünden weiter hinter ihm.

Auch wenn mit Gaddafi ein Mensch getötet wurde, worüber man sich nie freuen darf, sein Ende ist die Voraussetzung für einen Neuanfang in Libyen. Seit gestern ist der Krieg beendet. Libyen kann kurz feiern und durchatmen, muss dann aber die Zukunft gestalten. Denn nach Gaddafis Tod ist jetzt die Gefahr groß, dass es zu einem Riss im Nationalen Übergangsrat, zum Ausfechten von regionalen Klientel-Interessen oder gar Stammeskriegen kommt. Der gemeinsame Feind Gaddafi einte die Rebellen bisher. Aber hinter den Kulissen waren schon Brüche in der Anti-Gaddafi-Front sichtbar.

Bei allen Sorgen und Gefahren: Nur das endgültige Ende Gaddafis macht jetzt den Weg frei, ein neues, ein demokratisches, ein marktwirtschaftliches Libyen auf den Trümmern von Gaddafis despotischer Volksrepublik aufzubauen. Jetzt muss schnell eine Übergangsregierung gebildet werden, die den intransparenten Nationalen Übergangsrat ablöst und den Wiederaufbau des Landes organisiert.

Nun müssen zügig eine neue Verfassung her und Wahlen, auch wenn es unter Gaddafi keine Parteien gab und Libyen nicht frei ist von der Sorge, dass Islamisten nach politischer Macht streben und Frauen ihre bisher relativ starke Stellung verlieren könnten. Zu hoffen ist, dass das Post-Gaddafi-Libyen nicht die Fehler des Iraks nach dem Fall des Diktators Saddam Hussein wiederholt: Werden die bisherigen Gaddafi-Anhänger nicht integriert - bis auf seine Folterknechte und schlimmsten Profiteure -, drohen auch hier lang andauernde ethnische Konflikte, Bürgerkrieg und Terror.

Dagegen hilft nur eine breite politische Koalition und wirtschaftlicher Aufschwung. Libyen ist reich an Öl, und dieses Schmiermittel für den Wohlstand muss das Land nutzen: Es muss jetzt zügig neue Förder- und Explorationsabkommen mit internationalen Energiefirmen abschließen. Davon profitieren die Libyer und der Westen. Der Westen muss im Gegenzug effizient beim politischen und wirtschaftlichen Neustart helfen.

Der Autor ist Korrespondent für Außenpolitik in Berlin.

Sie erreichen ihn unter: brueggmann@handelsblatt.com

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Kaum ist Gaddafi weg, gilt islamisches Recht und die Scharia. Das wird Libyen nicht wirklich vorwärts bringen! Man darf gespannt sein, wie sich die Industrieländer darauf einstellen und wie Libyen darauf reagiert, dass es für den Einsatz der Nato zur Kasse gebeten wird

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