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Bin Ladens Tod öffnet Türen

Das Ende des Top-Terroristen wirkt wie ein Befreiungsschlag. Amerika denkt an einen baldigen Rückzug und bringt damit den afghanischen Präsidenten Karsai in Zugzwang.
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Mit dem Tod von Osama Bin Laden ist mehr als nur ein Kriegsziel erreicht worden. Das Ende des Top-Terroristen hat eine Blockade aus dem Weg geräumt, die die gesamte Afghanistan-Debatte der letzten Jahre gelähmt hat. Militärisch scheint auf einmal ein beschleunigter Truppenabzug vom Hindukusch möglich, gesellschaftlich für große Teile der muslimischen Welt ein Neuanfang, und mit den Taliban könnte gar eine Art Frieden geschlossen werden. Wer von langer Beschäftigung mit dem Nahen und Mittleren Osten ermüdet und frustriert ist, der mag dies als pure Illusion abtun. Alle anderen aber sollten die Chancen jetzt ergreifen.

Tatsächlich liegen einige Angebote bereits auf dem Tisch. Im Februar, und damals angesichts der Umbrüche im arabischen Raum weitgehend unbemerkt, hatte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton die Latte für Gespräche mit den Taliban bereits deutlich tiefer gelegt. In einer Rede sagte sie, dass als Voraussetzung für Verhandlungen mit den islamischen Fundamentalisten diese zuvor nicht mehr der Gewalt abschwören, nicht mit El Kaida brechen und die afghanische Verfassung nicht akzeptieren müssten. Ein klareres Signal der Gesprächsbereitschaft von den USA hatte es seit Beginn des Afghanistan-Kriegs nicht gegeben.

Nach dem Tod von Bin Laden bekommt dieses Angebot nun noch einmal ein ganz anderes Gewicht. Denn es sollte der Taliban-Führung jetzt leichter fallen, mit den USA zu reden. Die vergangenen zehn Jahre waren geprägt von Vergeltung, Revanche und dem Schüren von Hass. Das gilt im Übrigen auch für die Angegriffenen vom 11. September 2001, als in Washington die Worte vom "Kreuzzug" und der "Achse des Bösen" geprägt wurden. Der Schutz von Bin Laden, begründet mit einer kaum nachvollziehbaren Interpretation des islamischen Gastrechts durch den Taliban-Chef Mullah Omar, stand jedoch stets einer Annäherung im Weg.

Bereits die Erklärung der Taliban zu den Ereignissen in Abbottabad lässt Spielräume ahnen. Denn was in dem Statement auffällig fehlte, waren jegliche Lobpreisungen auf Osama Bin Laden. Vermuten lässt sich daher, dass die Taliban durchaus ein Interesse haben könnten, neue Möglichkeiten auszuloten. Aus deren Sicht ist die Lage höchst kompliziert. Pakistan, das sich dem Vorwurf der Komplizenschaft mit den Taliban ausgesetzt sieht, könnte versucht sein, jetzt tatsächlich härter gegen die Fundamentalisten vorzugehen. Und militärisch sind die Gotteskrieger in Afghanistan in den letzten Monaten schon erheblich unter Druck geraten.

Ein Druck, den auch der afghanische Präsident Hamid Karsai spürt. Der fürchtet nach dem Tod von Bin Laden, dass sich die USA viel schneller als erwartet vom Hindukusch zurückziehen könnten - und warnt davor. Politisch half Karsai die stete Gefahr, dass Afghanistan wieder in einen rechtsfreien Raum abrutschen und zur Spielwiese von El Kaida werden könnte. Diese Instabilität ließen die USA und die Nato über Korruption und Misswirtschaft in der afghanischen Regierung hinwegsehen.

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Der Schlüssel liegt in Pakistan

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