International
Kommentar: Blair siegte, weil die Konkurrenz schwach war

Das Ergebnis überrascht niemanden, allenfalls der knappe Vorsprung von Tony Blair gegenüber der Konkurrenz. Der britische Premierminister schafft zum dritten Mal nacheinander den Wahlsieg. Blair erreicht damit, was keinem seiner Vorgänger in der Labour-Partei vergönnt war. Schon deshalb lässt sich die Wahl 2005 als historisch bezeichnen. Allzu viel Freude dürfte beim Regierungschef nicht aufkommen. Der Verlust von dutzenden Sitzen zeigt: Sein Sieg war weniger ein Zeichen seiner Stärke, sondern der Schwäche der Konkurrenz.

Blair profitierte von einer seit Jahren starken heimischen Wirtschaft, die andere Themen in den Hintergrund drängte. Etwa dass Blair selbst sich vom wichtigsten Plus seiner Partei zum größten Malus entwickelt hat. Das Volk traut ihm nicht mehr; weil er vor dem Irak-Krieg die Gefahr vor Massenvernichtungswaffen zu sehr aufbauschte und sich seitdem nicht einsichtig gezeigt hat. Trotz oder gerade wegen des knappen Sieges wird er eher früher als später seinem Schatzkanzler Gordon Brown das Ruder überlassen müssen.

Schlimmer ist die Lage für die Konservativen. Sie konnten nicht von Blairs Schwäche profitieren. Dafür verantwortlich war ein selbstzerstörerischer Negativ-Wahlkampf von Michael Howard, einem Überbleibsel der Thatcher-Ära. Howard, ohnehin kein Sympathieträger, verkannte die Stimmung im Land. Er schürte Ängste vor Immigration und Kriminalität. Und er wollte mit Randthemen Punkte machen, statt Labour bei den wenigen Angriffsflächen zu attackieren. Dass die Niederlage nicht zu stark ausfiel und Howard damit nicht sofort zurück treten muss, ist das einzig Positive dieses Wahlabends: Denn in der Partei drängt sich beileibe kein junger Aufsteiger à la Blair auf.

Die Liberaldemokraten mussten nur die Proteststimmen gegen Blair einsammeln. Sie waren als einzige im Vorfeld gegen den Krieg im Irak. Dass sie trotz des guten Ergebnisses nicht mehr Stimmen bekamen, dazu trug auch ihr Parteichef Charles Kennedy bei. Er konnte nicht einmal das Wirtschaftsprogramm seiner eigenen Partei fehlerfrei rezitieren.

Großbritannien im Jahr 2005 ist ein Land, dem es noch immer besser geht als anderen in Westeuropa. Es ist aber auch ein Land, das nach neuen Hoffnungsträgern sucht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%