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Kommentar: Das 1.000.000.000.000-Euro-Risiko

Und sie bewegen sich doch. Das ist die gute Nachricht des Euro-Gipfels. Die schlechte ist: Das Risiko für hohe Verluste ist erheblich gestiegen. Für die Banken dagegen ist der Brüsseler Kompromiss ein gutes Geschäft.

DüsseldorfEs gibt zwei gute Nachrichten vom Gipfel gestern abend. Die erste lautet: Es passiert überhaupt etwas. Und die zweite: Die privaten Gläubiger werden tatsächlich an der "Rettung" Griechenlands und des Euros beteiligt.

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Auf der anderen Seite steht aber: Letztlich laufen die Vereinbarungen auf das hinaus, was die Deutschen eigentlich vermeiden wollten, nämlich eine gemeinsame Haftung der Euro-Länder für die Finanzen der schwachen Mitglieder. Es handelt sich also um Euro-Bonds durch die Hintertür. Nur dadurch ist auch zu erklären, dass die privaten Gläubiger, also vor allem die Banken, sich auf einen tieferen Schuldenschnitt für Griechenland eingelassen haben. So ist die Sache für sie, wenn sie bisher vorsichtig bilanziert haben, kein echter Verzicht mehr, sondern ein recht gutes Geschäft: Sie verzichten endgültig auf eine Rückzahlung der Griechen-Bonds zum vollen Preis und vollziehen damit nur nach, was der Markt ohnehin schon anzeigt. Im Gegenzug bekommen sie aber Papiere, die vom Rettungsschirm recht gut abgesichert werden. Zum Vergleich: Bei einem normalen Forderungsverzicht gegenüber einem angeschlagenen Unternehmen gibt es als Belohnung in der Regel keine zusätzlichen Garantien.

Und was den berühmten Hebel - oder die "Versicherungs-Lösung" des Rettungsschirms angeht, so wird hier nur trickreich eine Ausweitung des Risikos vollzogen, die auch einfacher zu haben wäre - dann allerdings für jedermann verständlich, was offenbar nicht gewünscht ist. Hinter der ganzen Diskussion über Risiko und Wirksamkeit dieses Hebels verbirgt sich ein simpler Sachverhalt: Ein Risiko wird immer durch zwei Faktoren bestimmt - die Höhe der maximal zu verlierenden Summe und die Wahrscheinlichkeit, dass diese Summe tatsächlich verloren geht.

Der Hebel bedeutet: Die maximale Summe bleibt gleich, dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausfällt. Zurzeit ist es beliebt, den einen Faktor in den anderen umzurechnen - die fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit wird dann umgerechnet in eine fünfmal so hohe Summe, damit es gegenüber den Märkten möglichst eindrucksvoll klingt. Gleichzeitig erklärt man den Bürgern, dass sich an der maximalen Summe ja gar nichts ändert. Das sind alles Milch-Mädchen-Rechnungen. Fest steht nur: Das Risiko für die Steuerzahler vervielfacht sich.

Eine der offenen Fragen in dem Zusammenhang lautet: Können die Rating-Agenturen einfach zuschauen, wenn der Rettungsschirm mit Risiken vollgestopft wird? Werden sie nicht reagieren und dessen Bonität herabstufen? Wenn ja, dann verliert die "Hebel"- oder "Versicherungslösung" erheblich an Charme.

  • 27.10.2011, 09:33 Uhrhamp

    von der telegraph:07.43 There is also a bigger bail-out for Greece in amongst the
    measures agreed last night - remember back in July a second bail-out for
    Greece was agreed, for another €109bn?



    Now it's €130bn, with the extra money going to foreign banks to smooth "private
    sector involvement" (PSI) , also know as haircuts, also also
    known as banks not getting back all the money they lent the Greek
    government.




    The Wall Street Journal's Matina Stevis gives some details via
    Twitter:

    Of EUR130B of new Greek package, E60B is going to banks: E30B to domestic,
    E30B to foreign in the form of "sweeteners" to make PSI possible

    60 milliarden geht an die banken...man oh man...

  • 27.10.2011, 09:37 Uhrkarstenberwanger

    Es ist unglaublich wie die Menschen hier an der Nase herumgeführt werden, auch von den Medien. Der DAX schnellt hoch obwohl der ganze Mist jetzt erst so richtig los geht. Wie dumm ist dieses Volk eigentlich? http://newsbote.com/politik/einn-betru-namens-euro-gipfel-fortsetzung-folgt-garantiert/

  • 27.10.2011, 09:38 Uhrsporty_BN

    Guter Kommentar und ich würde mir wünschen, dass das HB in Zukunft kritischer berichtet und der Politik ihre Fehler aufzeigt!

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