Kommentar: Das Ende eines blutigen Wahlkampfs

Kommentar
Das Ende eines blutigen Wahlkampfs

Rick Santorum macht den Weg für Favorit Mitt Romney frei - der US-Vorwahlkampf ist damit praktisch zu Ende. Doch es bleiben tiefe Wunden zurück. Die Frage ist, ob sie rechtzeitig heilen.
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WashingtonQuälend lange hat es gedauert, nun ist Rick Santorum doch noch in der Realität angekommen. Der erzkonservative Präsidentschaftskandidat der Republikaner verlässt das parteiinterne Rennen um die Nominierung zum Obama-Herausforderer. Ein Rennen, das er in Wahrheit nie gewinnen konnte, weil der Favorit von Anfang an Mitt Romney hieß.

Santorum, mit großem Abstand zweiter im Kampf ums Weiße Haus, hat gerade noch einen Abgang mit Würde erwischt. Noch kann er mit Recht behaupten, Romney ein starker Gegner gewesen zu sein. In elf Bundesstaaten hatte Santorum dem smarten Multimillionär Siege abgetrotzt, weil er mit seinem religiösen Eifer die Parteirechten für sich einnehmen konnte. So hätte Santorum, auch wenn er nicht annähernd so viele Delegiertenstimmen sammeln konnte wie Romney, einen Showdown auf dem Nominierungsparteitag im August erzwingen können.

Doch zuletzt war Santorums Siegeszug ins Stocken geraten und bei den kommenden Vorwahlen drohten weitere Niederlagen. Vor allem die erwartete Schlappe im Heimatstaat Pennsylvania am 24. April hätte seiner Kandidatur spätestens dann ein schmachvolles Ende beschert.

Favorit Romney und die ganze Republikanische Partei können nun aufatmen: Nach Santorums Abgang ist das Rennen so gut wie gelaufen. Die verbleibenden Kandidaten Newt Gingrich und Ron Paul liegen abgeschlagen zurück, sie können Romney nicht mehr gefährlich werden. Damit endet ein Vorwahlkampf, so spektakulär und blutig, wie es ihn wohl nur selten gegeben hat.

Millionen Dollar wurden in Schmutzkampagnen gesteckt, die einzig zum Ziel hatten, den parteiinternen Gegner zu beschädigen. In zahllosen Fernsehdebatten ging es einzig darum, den jeweils anderen zu demütigen. Völlig in den Hintergrund geriet dabei der eigentliche Gegner: Barack Obama. Dem spielte die Selbstmontage seiner Gegner in die Hände.

Der Graben in der Partei zwischen Gemäßigten auf der einen Seite, die überwiegend für Romney stimmten, und den Evangelikalen und Tea-Party-Anhängern auf der anderen, wurde durch den quälenden Wahlkampf nur immer tiefer. Die Parteiführung musste hilflos und angewidert mit ansehen, wie sich die Kandidaten und ihre Anhänger gegenseitig zerfleischten. Hört auf! – dieser Ruf wurde in den vergangenen Wochen immer lauter.

Die Frage ist jetzt, ob es die Republikaner schaffen, den Bruderkampf beizulegen und nach vorne zu schauen. Werden sich die radikalisierten Tea-Party-Anhänger hinter Mitt Romney stellen? Werden christlich-konservative Parteisoldaten aus dem Süden für den Geschäftsmann aus dem Norden Wahlkampf machen? Wie tief sind die Wunden, die dieser Wahlkampf geschlagen hat?

Denn es ist in der Zwischenzeit eben nicht leichter geworden, gegen Obama anzutreten. Nachdem sich die Lage der Wirtschaft nach und nach bessert, steigen auch dessen Umfragewerte. Und die mit Millionen ausgestatteten Wahlkämpfer des Präsidenten konnten in den vergangenen Wochen viel Munition sammeln.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik

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