Kommentar: Davos-Teilnehmer drücken sich vor harten Debatten

Kommentar
Davos-Teilnehmer drücken sich vor harten Debatten

Die globale Elite trifft sich in den Schweizer Bergen für eine wichtige Diskussion. Doch bei strittigen Fragen kommt es zu keinem Schlagabtausch. Die Lager bleiben unter sich.
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Davos ist der Ort der großen Debatten. Hier ringt die globale Elite jedes Jahr im Januar um die Schicksalsfragen unserer Zeit - so weit die Idee von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die große Debatte findet nicht statt.

Nichts bewegt zumindest die Menschen im Westen derzeit so sehr wie die Schuldenkrise in Europa. Nirgendwo prallen unterschiedliche Auffassungen von Politikern, Managern und Wissenschaftlern so hart aufeinander wie in der Frage, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen: Sollen wir zuerst sparen und später wachsen oder umgekehrt? Muss das "europäische Fahrrad" in Richtung Integration immer weiterrollen, damit es nicht umfällt? Oder müssen wir ein Stück zurückradeln, um die Bürger bei der Stange zu halten, die nicht mehr hinterherkommen (wollen)?

Über diese zentralen Fragen findet in Davos ein Ringen um das bessere Argument kaum statt. Im Gegenteil: In der Spardebatte haben die beiden Lager ihre Reihen geschlossen, reden mehr untereinander als mit Andersdenkenden. Die globale Elite hat in Davos die Chance vertan, uns ein Stück weit aus der großen Krise, die auch eine Krise des Geistes ist, herauszuführen.

Zwei Beispiele: In einer Runde von etwa 25 amerikanischen Managern gibt es genau einen, der die strikte Haushaltspolitik von Angela Merkel verteidigt. Die überwältigende Mehrheit wirft der deutschen Kanzlerin vor, Europa zu Tode zu sparen und damit auch den Rest der Welt in eine neue Wirtschaftskrise zu stürzen. Umgekehrt trifft man in Davos keinen deutschen Spitzenmanager, der Merkel nicht gegen ihre angelsächsischen Kritiker in Schutz nimmt. Selbst jene, die den Kurs Berlins bislang mit Skepsis verfolgt haben, stellen sich jetzt hinter die Regierung. So kann ein Austausch nicht stattfinden.

Selbst die Diskussionsrunde, die den aktuellen Streit mit dem Titel "Austerity versus Prosperity" auf den Punkt bringen soll, endet intellektuell in einem Fiasko. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers kann hier unwidersprochen "Konjunkturhilfen jetzt und sparen später" fordern. Zum einen, weil kein deutscher Stabilitätspolitiker in dieser zentralen Debatte mit auf dem Podium ist. Und zum anderen, weil seine Mitdiskutanten aus Kanada, Italien und Großbritannien dem wortmächtigen Summers nicht gewachsen sind.

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